Für einen Augenblick schien es, als wollte Henrietta zu weinen anfangen. Dann rief sie plötzlich mit Begeisterung: „Ich will bei dir bleiben, Sidney. Ich will an deiner Arbeit teilnehmen, ganz gleich, was es ist. Ich will mich als Bauernmädchen kleiden und einen kleinen Milcheimer tragen. Die Welt ist nichts für mich, wenn du nicht bei mir bist, und ich würde gerne hier leben und nach der Natur zeichnen.“
Er wich zurück und errötete, ohne daß er seine Bestürzung verbergen konnte. Sie war entschlossen, sich nicht vertreiben zu lassen, sie klammerte sich an ihn an und hielt ihn fest. Dieses war die Bewegung, die Wickens Jungen, der im benachbarten Graben saß, zum Lachen brachte. Trefusis war froh über die Unterbrechung, und als er dem Jungen zwei Pence gab und ihn fortwies, hoffte er halbwegs, daß er bleiben würde. Aber obgleich der Junge meistens sehr eigensinnig war, zeigte er sich diesmal ganz artig. Er verschwand auf die Landstraße, wo er einen seiner Pence einem Phantasiespieler gab und mit ihm Kopf oder Schrift spielte, bis das Erscheinen von Fairholmes Gruppe ihn aus seinem Doppelzustand herausriß.
Inzwischen war Henrietta mit dringendem Bitten auf ihren Vorschlag zurückgekommen.
„Wir würden so glücklich sein,“ sagte sie. „Ich würde dir den Haushalt führen, und du könntest soviel arbeiten, wie du wolltest. Unser Leben wäre ein langes Idyll.“
„Mein Lieb,“ sagte er und schüttelte seinen Kopf, als sie ihn flehend ansah. „Ich habe zuviel Manchester Baumwolle in meinem Wesen für lange Idylle. Und in Wahrheit, die erste Bedingung, wenn du mit mir arbeiten willst, ist, daß du fortgehst. Solange du bei mir bleibst, kann ich nur mit dir kosen. Du bezauberst mich. Wenn ich mich einen Augenblick von dir freimache, dann seufze ich schon voll Reue über die Stunden, die ich durch deine Verführung verloren habe und über die nutzlos vergeudete Energie.“
„Wenn du mit mir nicht leben willst, dann hattest du auch kein Recht, mich zu heiraten.“
„Ganz richtig. Aber das ist weder deine noch meine Schuld. Wir haben gefunden, daß wir uns zu sehr lieben — daß unser Verkehr uns an unserer Betätigung hindert, und darum müssen wir voneinander scheiden. Nicht für immer, mein Lieb, nur bis du eigene Sorgen und eigene Arbeit gefunden hast, die dein Leben ausfüllen und dich daran hindern, meines zu vergeuden.“
„Ich glaube, du bist von Sinnen,“ sagte sie verdrießlich.
„Die Welt ist heutzutage von Sinnen und galoppiert zum Teufel, so schnell die Habgier sie antreiben kann. Ich halte mich einfach von diesem Rennen fern, weil ich das Ziel nicht liebe. Hier kommt eine Barke, deren Führer mir ergeben ist, weil er glaubt, ich wollte einen Aufruhr zur Abschaffung von Schleusengebühren und Zöllen veranstalten. Wir wollen an Bord gehen und nach Lyvern fahren. Von dort kannst du nach London zurückkehren. Du telegraphierst am besten von der Umsteigestation nach der Anstalt. Sie müssen jetzt die reine Treibjagd auf uns machen. Ich werde dir meine Adresse geben, und wir können uns schreiben oder auch treffen, so oft wir wollen. Oder du kannst dich auch von mir scheiden lassen, weil ich dich verlassen habe.“
„Ich weiß, daß dir das das liebste wäre,“ sagte Henrietta schluchzend.