Der kleine Junge begann hier vor lauter Elend zu weinen, und die Frau erhob sich, indem sie sagte: „Schäme dich, Tom! Hier vor der Lady.“ Dann aber sank sie zusammen, zu schwach, um sich noch um etwas zu bekümmern, was jetzt geschehen konnte.

Smilasch sah ungeduldig Miß Wilson an, die zauderte und ihn endlich fragte: „Was erwarten Sie denn, daß ich tun soll?“

„Helfen sollen Sie uns,“ antwortete er. Dann fügte er mit einem Ausbruch nervöser Energie hinzu: „Tun Sie, was Ihr Herz Ihnen gebietet. Geben Sie dem Weibe Ihr Bett und Ihre Kleider und lassen Sie die Mädchen auf ein paar Tage ihre Bücher zum Teufel werfen, damit sie für die armen, kleinen Geschöpfe etwas Kleidung anfertigen. Die Armen haben schwer genug gearbeitet, um sie zu bekleiden. Lassen Sie jetzt die Mädchen auch einmal die Armen bekleiden.“

„Nein, nein. Alles was recht ist, Master,“ sagte der Mann, augenscheinlich sehr bedrückt durch ein Gefühl, unwillkommen zu sein, und er trat einen Schritt vor, um Miß Wilson günstig zu stimmen. „Die Ladys haben keine Schuld. Wenn ich so kühn sein darf, Sie um was zu bitten, dann geben Sie nur meiner Frau bis morgen Obdach. Irgend ein Platz genügt, sie ist dran gewöhnt, sich durchzuschlagen. Wenn sie nur ein Dach über dem Kopf hat, bis ich im Dorf ein Zimmer finde, wo wir einziehen können.“ Hier brachten ihn seine eigenen Worte dazu, an die Zukunft zu denken, und er blickte verzweifelt an dem Säulengebälk des Flures vorbei, als ob da ein Gefach sei, in dem vielleicht jemand eine passende Unterkunft für ihn gelassen hätte.

Miß Wilson wandte entschlossen und verächtlich Smilasch den Rücken zu. Sie hatte ihre Fassung wiedergefunden. „Ich will Ihr Weib hier behalten,“ sagte sie zu dem Mann. „Es wird für sie in jeder Weise gesorgt werden. Die Kinder können auch hier bleiben.“

„Dreimal hoch die moralische Beeinflussung!“ schrie Smilasch begeistert und fiel wieder in seine rohe Sprache zurück, die er in seinem Zorn ganz vergessen hatte. „Was sagte ich, Nachbar, als ich sagte, Sie sollten Ihre Frau zu der Anstalt bringen, und Sie sagten ironisch, ‚Ach ja, die werden verflucht froh sein, wenn sie uns da sehen.‘ Sagte ich nicht, die Lady hat ein nobles Herz, und sie zeigt es auch, wenn solch ein Malör an sie herantritt?“

„Wie können Sie meine übereilten Worte hier gegen mich vorbringen, Master, da die Lady so freundlich ist?“ entgegnete der Mann erregt. „Ich bin Ihnen sehr dankbar, Miß, und Beß auch. Wir fühlen, wie lästig wir —“

Miß Wilson, die sich mit der Haushälterin beraten hatte, schnitt seine Rede kurz ab, indem sie ihm sagte, er solle jetzt sein Weib zu Bett bringen. Er tat das auch mit Hilfe Smilaschs, der jetzt jubelte. Während sie fort waren, weigerte sich ein Dienstmädchen, eine Bettdecke in das Zimmer der Frau zu bringen, und sagte, solche Menschen wollte sie nicht bedienen. Miß Wilson gab ihr im heftigsten Tone Bescheid, sie könnte am nächsten Tag die Anstalt verlassen. Das war aber auch der einzige Fall von Übelwollen gegen die Ankömmlinge. Die jungen Damen wurden dann gebeten, wieder zu Bett zu gehen.

Unterdessen hatte der Mann seine Frau untergebracht. Es war das reine Palastzimmer im Vergleich mit dem, das durch den Sturm über ihr zusammengebrochen war. Er gratulierte ihr zu ihrem Glück und bedrohte die Kinder mit der strengsten Züchtigung, wenn sie sich nicht ganz brav aufführten, solange sie in diesem Hause blieben. Bevor er sie verließ, küßte er seine Frau. Sie hatte sich etwas erholt und bat ihn, noch einmal den Säugling zu betrachten. Er tat es und gab ihm dabei ein böses Schimpfwort, denn er dachte an die Zeit, da der Appetit des Kleinen nicht mehr an der Brust der Mutter gestillt werden könnte, da man für ihn im Laden einkaufen müßte. Sie lachte und machte ihm Vorwürfe, und so schieden sie fröhlich voneinander. Als er mit Smilasch zur Halle zurückkehrte, standen da zwei Krüge Bier für sie. Die Mädchen hatten sich entfernt, nur Miß Wilson und die Haushälterin waren zurückgeblieben.

„Zur Gesundheit, Madame,“ sagte der Mann, bevor er trank. „Mögen Sie auch so jemand finden, wenn Sie einmal in Sorgen kommen, was der Herr verhüte.“