Er brachte sie zu ihrem Stuhl zurück. Sie nahm Agathas Brief aus der Tasche ihres Pelzmantels und überreichte ihn ihm, indem sie einen schwachen Versuch machte, tragisch zu sein.

„Lies ihn,“ sagte sie. „Und sprich nie mehr ein Wort zu mir. Zwischen uns ist alles aus.“

Er nahm ihn neugierig und wandte ihn um, um die Unterschrift zu sehen. „Aha,“ sagte er, „mein goldenes Idol hat das Unheil angerichtet.“

„Da haben wir’s!“ rief Henrietta. „Du hast es mir ins Gesicht gesagt! Du hast dich selbst durch deine eigenen Worte überführt!“

„Warte einen Augenblick, mein Lieb. Ich habe den Brief noch nicht gelesen.“

Er erhob sich und ging, während er las, im Zimmer auf und ab. Sie beobachtete ihn in dem zornigen Bewußtsein, daß er jetzt gleich seine Fassung verlieren würde. Plötzlich ließ er den Kopf sinken, als ob sein Rücken ihn nicht mehr trüge, und in seiner gekrümmten Haltung las er den Rest des Briefes. Als er damit fertig war, warf er ihn auf den Tisch, steckte seine Hände tief in die Taschen und brach in ein schallendes Gelächter aus. Dabei zog er seinen Körper noch mehr zusammen, als ob er sein Vergnügen verstärken wollte, indem er es auf einen möglichst kleinen Raum zusammendrängte. Henrietta war vor Entrüstung sprachlos und konnte ihren Gefühlen nur durch Blicke Ausdruck geben. Schließlich kam er heran und setzte sich neben sie.

„Und da bist du nun,“ sagte er, „als du den Brief bekamst, in die Kälte hinausgelaufen und hast die Reise nach Lyvern gemacht. Es scheint mir doch, du mußt mich entweder sehr lieben —“

„O nein. Ich hasse dich.“

„— oder dich selbst sehr lieben.“

„Oh!“ klagte sie und begann von neuem zu weinen. „Du bist ein selbstsüchtiges Tier, und du tust, was du willst, ohne dich um jemand anderes zu kümmern. Kein Mensch gibt etwas um mich. Und jetzt willst du dir nicht einmal die Mühe machen, den schändlichen Inhalt dieses Briefes zu leugnen.“