(Napoleon.) Ihn? Wen, Mensch? Warum behandeln Sie diese Dame in solcher Weise?

(Leutnant.) Dame?… Er ist ein Mann—der Mann, dem ich mein
Vertrauen geschenkt habe! (Geht drohend vor:) Hierher—du—

(Dame läuft hinter Napoleon und umklammert in ihrer Aufregung seinen Arm, den er instinktiv vor ihr ausstreckt, um sie zu schützen:) Oh, ich danke Ihnen, Herr General! Halten Sie ihn fern!

(Napoleon.) Unsinn! Das ist ganz bestimmt eine Frau! (Sie läßt seinen Arm plötzlich los und errötet wieder:) Und Sie sind im Arrest! Legen Sie augenblicklich Ihren Degen nieder, Herr Leutnant!

(Leutnant.) Herr General, ich sage Ihnen, er ist ein österreichischer Spion! Heute nachmittag hat er sich mir gegenüber aufgespielt, als gehörte er zum Stabe General Massenas—und nun spielt er sich Ihnen gegenüber als Frau auf. Darf ich meinen eigenen Augen glauben oder nicht?

(Dame.) Herr General—das muß mein Bruder gewesen sein—der ist beim
Stabe General Massenas und sieht mir sehr ähnlich.

(Leutnant den Verstand verlierend:) Wollen Sie damit sagen, daß Sie nicht Ihr Bruder, sondern Ihre Schwester sind… die Schwester, die mir so ähnlich sieht… die meine schönen blauen Augen hat? Es war eine Lüge,—Ihre Augen sind nicht wie die meinen—sie sind genau wie Ihre eigenen! Welche Perfidie!

(Napoleon.) Herr Leutnant, wollen Sie meinen Befehlen gehorchen und dieses Zimmer verlassen, da Sie endlich überzeugt sind, daß diese Dame kein Mann ist?

(Leutnant.) Kein Mann, das will ich meinen! Ein Mann würde mein
Vertrauen nie so getäuscht haben—

(Napoleon am Ende seiner Geduld:) Genug, Mensch, genug! Verlassen Sie dieses Zimmer! Ich befehle Ihnen, dieses Zimmer zu verlassen!