(Dame.) Es scheint mir dem Ihrigen sehr ähnlich zu sein.
(Napoleon.) Pfui! ich erröte für Sie!
(Dame naiv:) Ja?… Soldaten erröten so leicht! (Er brummt und wendet sich ab. Sie blickt ihn schelmisch an, die Depeschen in ihrer Hand wiegend.) Wollen Sie diese da nicht lesen, bevor wir sie verbrennen, General? Sie müssen vor Neugierde sterben. Werfen Sie einen Blick hinein. (Sie wirft das Paket auf den Tisch und wendet das Gesicht davon ab.) Ich will nicht hinsehen.—
(Napoleon.) Ich habe keinerlei Neugierde, Madame. Aber da Sie selbst augenscheinlich darauf brennen, sie zu lesen, erlaube ich Ihnen, es zu tun.
(Dame.) Oh! ich hab' sie schon gelesen.
(Napoleon auffabrend:) Was?!
(Dame.) Das war das erste, was ich getan habe, als ich auf dem Pferde dieses armen Leutnants davongeritten bin. Sie sehen also: ich weiß, was darin steht; aber Sie wissen es nicht.
(Napoleon.) Sie entschuldigen—ich habe sie auch gelesen, als ich vor zehn Minuten draußen im Weingarten spazieren ging.
(Dame aufspringend:) Oh, Herr General! ich habe Sie nicht besiegt!
Ich bewundere Sie unendlich! (Er lacht und streichelt ihre Wangen.)
Diesmal wirklich und wahrhaftig, ohne Hintergedanken. Ich huldige
Ihnen! (Küßt seine Hand.)
(Napoleon sie rasch zurückziehend:) Brrr! tun Sie das nicht. Genug der Hexerei!