Raina: Wie sollte ich!
Der Flüchtling: Natürlich, woher auch! Na, es ist ein spaßhafter
Anblick. Gerade, als ob man eine Handvoll Erbsen gegen eine
Fensterscheibe schleuderte. Erst kommt einer, dann zwei oder drei
dicht hinterher, und dann in einer Reihe die ganze Rotte.
Raina [mit weiten Augen, erbebt sich, während sie die Hände begeistert zusammenschlägt]: Ja, zuerst ein einziger, der Tapferste der Tapferen!
Der Flüchtling [prosaisch]: Na, Sie sollten sehen, wie der arme
Teufel versucht sein Pferd zurückzuhalten.
Raina: Warum sollte er sein Pferd zurückhalten?
Der Flüchtling [ungeduldig über die dumme Frage]: Na, weil es doch mit ihm durchgeht, natürlich. Glauben Sie, daß der Bursche Lust hat, als Erster anzukommen, um so vor allen andern getötet zu werden? Dann kommen die übrigen heran. Alle. Sie können die Jungen an ihrer Wildheit und Schneidigkeit erkennen, die Alten kommen in geschlossenen Haufen daher, sie wissen, daß sie nur Kanonenfutter sind und daß es keinen Zweck hat, einen Kampf zu versuchen. Die meisten Wunden sind gebrochene Kniescheiben infolge des Zusammenprallens der Pferde.
Raina: Schrecklich! Aber ich glaube nicht, daß der erste Reiter ein
Feigling ist—ich glaube, er ist ein Held.
Der Flüchtling [gutmütig]: Das würden Sie auch gesagt haben, wenn Sie
HEUTE den ersten Reiter bei der Attacke gesehen hätten!!
Raina [atemlos, ihm alles verzeihend]: Ah, ich wußte es! Erzählen
Sie, erzählen Sie mir von ihm!
Der Flüchtling: Er benahm sich wie ein Operettentenor—ein wohlgebauter, hübscher Bursche mit sprühenden Augen und prachtvollem Schnurrbart, der sein Hurra brüllte und angriff wie Don Quijote die Windmühlen. Wir haben uns über ihn halbtot gelacht! Als aber der Feldwebel gelaufen kam, bleich wie der Tod, und uns sagte, daß wir aus Versehen die falschen Patronen bekommen hätten und daß wir für die nächsten zehn Minuten keinen Schuß abgeben könnten, da ist uns das Lachen vergangen! Mir war nie so schlecht in meinem ganzen Leben, obwohl ich schon in mancher bösen Lage gewesen bin. Ich hatte nicht einmal eine Revolverpatrone, nichts als Schokolade, nicht einmal Bajonette hatten wir—nichts. Natürlich haben sie uns in Stücke gehauen, und da kam dieser Don Quijote wie ein Tambourmajor herangestürmt und glaubte, das Klügste von der Welt getan zu haben, statt dessen verdiente er, dafür vor das Kriegsgericht gestellt zu werden. Von allen Narren, die jemals auf einem Schlachtfelde losgelassen worden sind, muß das der schlimmste sein! Er und sein Regiment begingen einfach einen Selbstmord, nur ging die Pistole nicht los, das war alles.