Der Flüchtling: Das will ich meinen. Sie haben auch nicht drei Tage lang im Feuer gestanden wie ich. Zwei Tage kann ich das aushalten, ohne daß es mir viel ausmacht, aber kein Mensch hält es drei Tage lang aus. Ich bin jetzt so nervös wie eine Maus. [Er setzt sich auf die Ottomane und stützt den Kopf in die Hand.] Möchten Sie mich weinen sehen?
Raina [bestürzt]: Nein!
Der Flüchtling: Wenn Sie das wollen, brauchen Sie mich nur
auszuschelten als ob ich ein kleiner Bub wäre und Sie das
Kindermädchen. Wenn ich jetzt im Lager wäre, würde man allerhand
Spaß mit mir treiben.
Raina [ein wenig gerührt]: Sie tun mir leid, ich werde Sie nicht ausschelten. [Von dem Mitgefühl in ihrer Stimme ergriffen, hebt er den Kopf und blickt dankbar zu ihr auf. Sie wendet sich sofort von ihm weg und sagt steif:] Sie müssen mich entschuldigen, UNSERE Soldaten sind eben ganz anders. [Sie geht von der Ottomane fort.]
Der Flüchtling: O nein, ganz ebenso! Es gibt überhaupt nur zweierlei
Arten Soldaten; junge und alte. Ich diene seit vierzehn Jahren; die
Hälfte von Ihren Leuten hatte bisher noch kein Pulver gerochen!
Nun, wie kommt es, daß sie uns eben geschlagen haben? Nur infolge
gänzlicher Unkenntnis der Kriegskunst, durch nichts weiter.
[Verachtungsvoll:] Ich habe nie einen größeren Mangel an
Berufskenntnis gesehen!
Raina [ironisch]: Oh, war es Mangel an Berufskenntnis, Sie zu schlagen?
Der Flüchtling: So hören Sie! Halten Sie es für militärisch, ein Kavallerieregiment einer Schnellfeuerbatterie entgegenzuwerfen mit der Gewißheit, daß, falls die Kanonen losgehen, weder Pferd noch Mann jemals der Batterie auf fünfzig Meter nahe kommen? Ich traute meinen Augen kaum, als ich den Blödsinn sah.
Raina [wendet sich freudig zu ihm, erregt, weil ihr Enthusiasmus und
ihre Ruhmesträume sie wieder überkommen]: Haben Sie die große
Kavallerieattacke gesehen? Oh, erzählen Sie mir davon, beschreiben
Sie sie mir.
Der Flüchtling: Sie haben noch niemals eine Kavallerieattacke gesehen, nicht wahr?