Raina [blickt ihn hochmütig an und fühlt sich desto wohler, je mehr ihre gute Meinung von ihm abnimmt]: Ich bedaure, Sie geängstigt zu haben. [Sie nimmt die Pistole und reicht sie ihm]: Bitte, nehmen Sie, zum Schutze gegen mich.
Der Flüchtling [lächelt müde über diesen Sarkasmus, während er die Pistole nimmt]: Sie nützt mir nichts, sie ist nicht geladen. [Er grinst die Pistole höhnisch an und schiebt sie verachtungsvoll in seine Revolvertasche.]
Raina: So laden Sie sie meinetwegen!
Der Flüchtling: Ich habe keine Munition. Was nützen einem in der Schlacht Patronen? Ich führe statt dessen immer Schokolade mit und habe schon vor Stunden mein letztes Stück verzehrt.
Raina [in ihren heiligsten Vorstellungen von Männlichkeit verletzt]:
Schokolade? Sie stopfen Ihre Taschen mit Süßigkeiten voll wie ein
Schuljunge, selbst auf dem Schlachtfeld?
Der Flüchtling [hungrig]: Ich wollte, ich hätte jetzt welche. [Raina
starrt ihn an, unfähig ihre Gefühle zu äußern; dann läuft sie zu der
Kommode und eilt, die Bonbonniere in den Händen, mit spöttischer
Miene zurück.]
Raina: Erlauben Sie. Ich bedaure, alles aufgegessen zu haben bis auf diese Pralinébonbons. [Sie bietet ihm die Schachtel an.]
Der Flüchtling [heißhungrig]: Sie sind ein Engel. [Er verschlingt die Süßigkeiten]: Pralinés—köstlich! [Er überzeugt sich ängstlich, ob noch mehr davon da sind; es waren die letzten.]
[Er fügt sich mit pathetischem Humor in das Unvermeidliche und sagt mit dankbarer Rührung]: Gott segne Sie, teuerstes Fräulein.—Sie können einen alten Soldaten immer an dem Inhalt seiner Sattel- und Patronentaschen beurteilen. Die jungen führen Pistolen und Patronen mit, die alten—Futter. Ich danke Ihnen. [Er gibt ihr die Schachtel zurück, sie reißt sie ihm verachtungsvoll aus der Hand und wirft sie fort. Er schrickt wieder zusammen, als wenn sie ihn hätte schlagen wollen.] Hu! Ich beschwöre Sie, machen Sie nicht alles so heftig und plötzlich, gnädiges Fräulein; es ist nicht schön, sich jetzt dafür zu rächen, daß ich Sie vorhin erschreckt habe.
Raina [stolz]: Mich erschreckt! Wissen Sie, daß mein Herz, obwohl ich nur ein Mädchen bin, mindestens ebenso mutig schlägt wie das Ihre!?