Raina: Lassen Sie meine Mutter nicht allein, Louka, während die Soldaten da sind. [Louka blickt auf Raina, auf die Ottomane, auf den Vorhang, dann spitzt sie die Lippen diskret, lacht in sich hinein und geht hinaus. Raina, durch dieses Mienenspiel sehr beleidigt, folgt ihr bis an die Tür und schlägt sie hinter ihr zu, sie geräuschvoll verriegelnd. Der Flüchtling tritt sofort hinter dem Vorhang hervor, steckt seinen Säbel ein und schüttelt in gleichsam geschäftlicher Weise die Gefahr von sich ab.]

Der Flüchtling: Um ein Haar,,, doch um ein Haar ist auch gefehlt.
Verehrtes Fräulein, Ihr Sklave bis in den Tod! Ich wünschte jetzt
Ihretwegen, ich wäre in die bulgarische Armee statt in die serbische
eingetreten. Ich bin kein Serbe von Geburt.

Raina [hochmütig]: Nein, Sie sind einer von jenen Österreichern, die die Serben zum Raub unserer nationalen Freiheit verleiten und die serbische Armee mit Offizieren versehen. Wir hassen sie.

Der Flüchtling: Österreicher? O nein! Ich bin keiner. Hassen Sie mich also nicht. Ich bin Schweizer, gnädiges Fräulein, und kämpfe bloß als Berufssoldat; ich ging zu den Serben, weil sie auf dem Wege aus der Schweiz mir zunächst waren. Seien Sie großmütig. Ihre Landsleute haben uns ohnedies aufs Haupt geschlagen.

Raina: War ich vielleicht nicht großmütig?

Der Flüchtling: Edel, heldenhaft! Doch ich bin noch nicht gerettet. Der schlimmste Ansturm ist bald vorüber, aber die Verfolgung wird mit Unterbrechungen die ganze Nacht hindurch fortgesetzt werden; ich muß trachten, mich in einem günstigen Augenblick aus dem Staube zu machen. Sie sind doch nicht böse, wenn ich hier noch ein bis zwei Minuten warte?

Raina: O nein, ich bedaure nur, daß Sie sich abermals in Gefahr begeben müssen. [Auf die Ottomane weisend:] Bitte, setzen Sie sich! [Sie hält mit einem nicht zu unterdrückenden Angstschrei inne, als sie die Pistole auf der Ottomane erblickt.]

Der Flüchtling [übernervös, fährt zurück wie ein scheuendes Pferd.
Erregt]: Mich so zu erschrecken! Was ist denn los?

Raina: Ihre Pistole. Der Offizier hat sie die ganze Zeit vor Augen gehabt! Ihre Rettung ist ein Wunder!

Der Flüchtling [ärgerlich, so unnötigerweise geängstigt worden zu sein]: Ach, weiter nichts?!