Louka [stolz]: Meine eigene Mode.
Nicola: In der Tat—! na! wenn dich die Frau so erwischt, wird sie dich lehren. [Er wirft das Holz auf die Ottomane und setzt sich bequem daneben.]
Louka: Ist das ein Grund für dich, mich zu lehren?
Nicola: Geh, sei nicht so widerspenstig gegen mich; ich habe eine gute Nachricht für uns. [Er nimmt etwas Papiergeld aus der Tasche, Louka kommt mit gierigem Augenblitzen näher, um es anzusehen.] Schau, ein Zwanzigleuschein! Sergius gab mir das Geld aus reiner Prahlerei—so ein Narr! Narrengeld ist bald dahin. Und da sind noch zehn Leu,—die gab mir der Schweizer dafür, daß ich der Gnädigen und Rainas Lügen auf mich genommen habe. Der ist kein Narr! Du hättest die alte Katharina nur unten hören sollen, wie höflich sie mich bat, mir nichts daraus zu machen, daß der Major etwas ungeduldig gewesen sei, denn sie wüßten ganz gut, was für ein prächtiger Diener ich sei—nachdem sie mich vor allen zu einem Narren und Lügner gestempelt haben! Die zwanzig Leu sind für unsere Ersparnisse bestimmt, und dir gebe ich die zehn, die kannst du nach Belieben ausgeben, wenn du dafür mit mir nur so sprechen willst, als ob ich auch ein Mensch wäre. Manchmal habe ich es doch satt, Diener zu sein.
Louka [verachtungsvoll]: Ja, geh hin und verkaufe deine Manneswürde für dreißig Leu und kaufe mich für zehn Leu dazu! Behalte dein Geld! Du bist zum Diener geboren, ich nicht! Wenn du deinen Laden eingerichtet hast, dann wirst du jedermanns Diener sein, statt, wie jetzt, eines Mannes Diener.
Nicola [nimmt sein Holz auf und geht zum Ofen]: Pah, wart' es nur erst ab, du wirst schon sehen! Wir werden unsere Abende für uns haben, und ich werde der Herr in MEINEM Hause sein,—das verspreche ich dir! [Er wirft das Holz hinunter und kniet vor dem Ofen.]
Louka: Du wirst nie der Herr in meinem Hause sein. [Sie setzt sich stolz auf Sergius' Stuhl.]
Nicola [wendet sich um, immer auf den Knien, und kauert sich etwas trostlos auf seine Fersen nieder, entmutigt von Loukas unerbittlicher Mißachtung.] Du bist sehr ehrgeizig, Louka; wenn dir irgendein unverhofftes Glück widerfahren sollte, dann vergiß nicht: ich war es, der eine Frau aus dir gemacht hat.
Louka: Du?
Nicola [mit hartnäckiger Selbstverteidigung]: Jawohl, ich. Wer hat dir abgewöhnt, deinen Kopf mit falschen schwarzen Haaren zu behängen und deine Lippen und Wangen rot zu schminken wie alle andern bulgarischen Mädchen? Ich war das. Wer lehrte dich deine Nägel putzen und deine Hände pflegen und dich fein und sauber halten wie eine große russische Dame? Ich! Verstehst du mich? Ich! [Sie wirft den Kopf verachtungsvoll in die Höhe und er erhebt sich übellaunig und fügt kühler hinzu:] Ich habe mir oft gedacht, wenn Raina nicht im Wege stünde und du bloß ein klein wenig klüger wärest und Sergius bloß ein klein wenig dümmer, du könntest einmal zu meinen größten Kunden zählen, statt daß du nur meine Frau wirst und mich Geld kostest.