Raina [steht auf und nähert sich etwas reumütig]: Schlechte
Nachrichten?

Bluntschli: Mein Vater ist gestorben. [Er blickt auf das Telegramm mit geschlossenen Lippen, in Gedanken vertieft über den unerwarteten Umschlag in seinen Plänen.]

Raina: Oh! wie traurig.

Bluntschli: Jawohl! Da werde ich in einer Stunde heimreisen müssen.
Mein Vater hat eine Menge großer Hotels hinterlassen, um die ich
mich nun bekümmern muß. [Er greift ein dickes, langes, blaues
Kuvert heraus.] Da ist auch schon ein großer Brief von unserm
Familienadvokaten. [Er reißt die Papiere heraus und überfliegt sie.]
Großer Gott, siebzig—zweihundert—[mit wachsender Bestürzung:]
vierhundert—viertausend—neuntausendsechshundert…was, um des
Himmels willen, soll ich denn damit anfangen?!

Raina [schüchtern]: Neuntausendsechshundert Hotels?

Bluntschli: Hotels! Unsinn! Wenn Sie nur wüßten,—aber es ist zu
lächerlich, entschuldigen Sie, ich muß Anordnungen wegen meiner
Abreise treffen. [Er verläßt rasch das Zimmer, die Papiere in der
Hand.]

Louka [spöttisch]: Er hat nicht viel Herz, dieser Schweizer, obwohl er die Serben liebt; er hat kein Wort der Trauer, des Kummers für seinen seligen Vater.

Raina [bitter]: Der und Kummer! Ein Mensch, der jahrelang nichts anderes getan hat, als Leute umbringen,—was liegt dem daran, wenn sein alter Vater stirbt! was liegt einem Soldaten an irgend etwas? [Sie geht zur Tür, ihre Tränen nur mühsam zurückhaltend.]

Louka: Major Saranoff hat auch gekämpft, und es ist ihm doch sehr viel Herz übriggeblieben. [Raina blickt sie von der Tür aus hochmütig an und geht hinaus.] Aha, ich habe es mir gedacht, daß du wenig Gefühl aus DEINEM Soldaten herauskriegen würdest. [Sie ist im Begriff, Raina zu folgen, da tritt Nicola ein, Holz in den Armen, um nachzulegen.]

Nicola [sie verliebt anlächelnd]: Den ganzen Nachmittag habe ich mich umsonst bemüht, dich allein anzutreffen, mein Schatz. [Sein Gesichtsausdruck verändert sich, als er ihren Arm bemerkt.] Was ist das für eine neue Mode, deine Ärmel zu tragen, mein Kind?