Raina: Was haben Sie denn aber damit gemacht?

Bluntschli: Als ich nach Pirot kam, da mußte ich ihn irgendwo in
Sicherheit bringen, ich dachte an das Garderobezimmer der
Eisenbahnstation,—aber das ist bestimmt ein Platz, der bei unserer
modernen Kriegführung ganz ausgeplündert wird. Da zog ich vor, den
Rock zu—versetzen!

Raina: Versetzt haben Sie ihn!

Bluntschli: Ich weiß, es klingt nicht nett, aber das Versatzamt war gewiß der sicherste Ort. Vorgestern habe ich ihn wieder ausgelöst; weiß der Himmel, ob der Pfandleiher die Taschen ausgeleert hat oder nicht.

Raina [wütend, ihm die Worte ins Gesicht schleudernd]: Sie haben eine niedrige Krämerseele. Sie denken an Dinge, die einem Ehrenmann niemals einfallen könnten.

Bluntschli [phlegmatisch]: Das ist der Schweizer Nationalcharakter, verehrtes Fräulein.

Raina: Oh, wäre ich Ihnen nie begegnet! [Sie wendet sich heftig ab und setzt sich wütend ans Fenster.]

[Louka kommt herein, einen Pack Briefe und Telegramme auf ihrem Servierteller. Sie geht mit ihrem kühnen, freien Wesen an den Tisch; ihr linker Ärmel ist mit einer Brosche an die Schulter hinaufgeheftet; man sieht ihren bloßen Arm, dessen blauer Fleck durch ein breites vergoldetes Armband verdeckt ist.]

Louka [zu Bluntschli]: Das ist für Sie; [sie leert ihre Platte unbekümmert auf den Tisch aus:] der Bote wartet. [Sie ist entschlossen, gegen einen Serben nicht höflich zu sein, selbst wenn sie ihm seine Briefe bringen muß.]

Bluntschli [zu Raina]: Wollen Sie mich einen Augenblick entschuldigen? Die letzte Post hat mich vor drei Wochen erreicht—diese Anhäufung ist die Folge davon,—vier Depeschen—eine Woche alt. [Er öffnet eine davon:] Oho! schlechte Nachrichten!