Raina [rasch]: Wollen Sie behaupten, daß Sie es NICHT erhalten haben?

Bluntschli: Gewiß will ich das! [Er setzt sich mit erneuertem
Interesse neben sie und sagt mit einer gewissen Selbstgefälligkeit]:
Wann haben Sie es mir denn geschickt?

Raina [entrüstet]: Ich habe es Ihnen nicht geschickt! [Sie wendet den Kopf ab und fügt zögernd hinzu]: Es war in der Tasche jenes Rockes…

Bluntschli [beißt sich auf die Lippen und rollt die Augen]: Oh, oh, oh, und ich hab' es nicht gefunden! Es muß jetzt noch darin sein.

Raina [aufspringend]: Noch darin?! Damit mein Vater es findet, sobald er die Hände in die Taschen steckt? Nein, wie konnten Sie nur so dumm sein!

Bluntschli [erhebt sich gleichfalls]: Machen Sie sich nichts daraus, es ist doch nur eine Photographie,—wie kann er wissen, für wen sie bestimmt war? Sagen Sie ihm einfach, daß er sie selbst hineingetan hat.

Raina [ungeduldig]: Ich danke Ihnen für den guten Rat! Sie sind gar so gescheit! Ach, ach, ach, was soll ich nur beginnen?

Bluntschli: Ah, ich verstehe: Sie haben etwas darauf geschrieben.
Das war freilich unvorsichtig.

Raina [fast bis zu Tränen verdrossen]: Nein, daß ich so etwas für Sie tun konnte,—für Sie, dem gar nichts daran liegt! Der sich höchstens über mich lustig macht! Sind Sie wenigstens sicher, daß bis jetzt niemand es berührt hat?

Bluntschli: Nein, ganz sicher kann ich nicht sein. Bedenken Sie doch: ich konnte den Rock ja nicht immer mit mir herumtragen, man darf im aktiven Dienst nicht viel Gepäck mitführen.