Raina: Ja, ich glaube, das meine ich. [Gemütlich und sehr unbefangen]: Wie sonderbar das ist, wenn mit einem so ehrlich gesprochen wird! Wissen Sie, ich hab' es immer so getrieben!—ich meine die edle Haltung und den hohen Ton, so habe ich mich schon als kleines Kind meiner Amme gegenüber aufgespielt. Sie hat daran geglaubt. Ich tue es vor meinen Eltern; sie glauben auch daran, Sergius gegenüber tue ich gleichfalls so, er glaubt auch daran.

Bluntschli: Jawohl, er posiert selbst ein wenig in dieser Art, nicht wahr?

Raina [auffahrend]: Glauben Sie?

Bluntschli: Sie müssen ihn besser kennen als ich.

Raina: Ich wäre begierig, zu erfahren, ob er wirklich auch so ist!
Wenn ich dächte, daß er—! [Entmutigt:] Doch wozu, was liegt daran?
Ich fühle, daß Sie mich jetzt verachten, weil Sie mich erkannt haben.

Bluntschli [erhebt sich, warm]: Durchaus nicht, mein verehrtes
Fräulein,—o nein, nein, tausendmal nein. Ihr Gehaben macht einen
Teil Ihrer Jugend, Ihres Reizes aus. Ich bin genau wie alle übrigen,
wie Amme, Eltern und Sergius,—ich bin Ihr betörter Bewunderer.

Raina [erfreut]: Wirklich?

Bluntschli [sich nach deutscher Art auf die Brust schlagend]: Hand aufs Herz, wahrhaftig!

Raina [sehr glücklich]: Aber was haben Sie dazu gesagt, daß ich Ihnen mein Bild geschenkt habe?

Bluntschli [erstaunt]: Ihr Bild? Sie haben mir doch nie Ihr Bild geschenkt.