Louka: Sehen Sie mich an! Wie oft darf ich mir den Luxus eines eigenen Willens gestatten? Ich muß Ihr Zimmer in Ordnung bringen, muß abstauben und fegen, holen und laufen. Wie kann mich das erniedrigen, wenn es Sie nicht erniedrigt, für den das alles geschieht?! Aber [mit unterdrücktem Zorn] wenn ich Kaiserin von Rußland wäre, über alle Menschen erhaben, dann—wenn ich auch Ihrer Meinung nach gar keinen Mut beweisen könnte,—na, Sie sollten schon sehen.

Sergius: Was würden Sie dann tun, edle Kaiserin?

Louka: Ich würde den Mann heiraten, den ich liebte, wozu keine Königin Europas den Mut findet. Wenn ich beispielsweise Sie liebte, der Sie dann so tief unter mir stünden, wie ich jetzt unter Ihnen stehe, ich würde es wagen, mich meinem Untergebenen gleichzustellen! Würden Sie diesen Mut finden, wenn Sie mich liebten? Nein! Wenn Sie fühlten, daß Sie mich zu lieben beginnen, so würden Sie dieses Gefühl unterdrücken, Sie würden nicht wagen, mich zu heiraten. Sie würden die Tochter eines reichen Mannes heimführen aus Angst, was "die Welt", was andere Leute dazusagen könnten!

Sergius [hingerissen]: Sie lügen, das ist nicht der Fall—beim Himmel
nicht! Wenn ich Sie liebte, und wäre ich selbst der Zar, ich würde
Sie neben mich auf den Thron setzen. Sie wissen, daß ich eine andere
Frau liebe, die so hoch über Ihnen steht, wie der Himmel über der
Erde. Und Sie sind eifersüchtig auf sie.

Louka: Dazu habe ich ja gar keinen Grund. Sie wird Sie doch niemals heiraten. Der Mann, von dem ich Ihnen sprach, ist zurückgekehrt. Sie wird den Schweizer heiraten!

Sergius [zurückfahrend]: Den Schweizer!

Louka: Einen Mann, der zehn Ihresgleichen aufwiegt. Dann können Sie zu mir kommen, aber ich werde Sie auch abweisen. Sie sind mir nicht gut genug. [Sie wendet sich zur Türe.]

Sergius [springt ihr nach und fängt sie wild in seinen Armen auf]: Ich werde den Schweizer töten, und mit Ihnen werde ich dann machen, was mir beliebt.

Louka [in seinen Armen, ruhig und gefaßt]: Vielleicht wird der Schweizer Sie töten. In der Liebe hat er Sie schon geschlagen, er kann Sie vielleicht auch im Kampfe besiegen.

Sergius [gequält]: Halten Sie es für möglich, daß ich jemals glauben werde, daß—"sie", deren ärgste Gedanken noch höher stehen als Ihre besten, daß "sie" fähig wäre, hinter meinem Rücken mit einem andern Mann zu tändeln!?