Louka: Halten Sie es für möglich, daß "sie" dem Schweizer glauben würde, wenn er ihr jetzt erzählte, daß ich in Ihren Armen liege?

Sergius [läßt sie verzweifelnd los]: Oh, zum Henker! Verdammt! Spott und Hohn überall! Meine eigenen Taten machen meine erhabensten Gedanken lächerlich. [Er schlägt sich heftig vor die Brust.] Feigling, Lügner, Narr! Soll ich mich töten wie ein Mann, oder soll ich weiterleben und vorgeben mich selbst zu verhöhnen? [Louka wendet sich abermals der Tür zu.] Louka! [Sie bleibt in der Nähe der Tür stehen.] Merken Sie sich: Sie gehören zu mir!

Louka [ruhig]: Was heißt das? Soll das eine Beleidigung sein?

Sergius [befehlend]: Das heißt, daß Sie mich lieben und daß ich Sie hier in meinen Armen gehalten habe und Sie vielleicht wieder so halten werde. Ob das eine Beleidigung ist, das weiß ich nicht, das ist mir auch ganz einerlei,—nehmen Sie das, wie's Ihnen beliebt; aber [heftig:] ich will kein Feigling und kein Lump sein! Wenn es mir gefällt, Sie zu lieben, so wage ich es auch,—ganz Bulgarien zum Trotz—Sie zu heiraten. Wenn diese Hände Sie jemals wieder berühren, dann werden sie meine angelobte Braut berühren.

Louka: Wir werden ja sehn, ob Sie es wagen, Ihr Wort zu halten; aber nehmen Sie sich in acht, ich werde nicht lange warten.

Sergius [verschränkt seine Arme wieder und bleibt unbeweglich in der Mitte des Zimmers stehen]: Ja, das werden wir sehen, und Sie werden warten, solange es mir beliebt! [Bluntschli kommt, sehr beschäftigt, seine Papiere noch in Händen, herein und läßt die Tür für Louka offen. Er geht hinüber an den Tisch und wirft ihr im Vorübergehen einen flüchtigen Blick zu. Sergius, ohne seine entschlossene Stellung aufzugeben, sieht ihn fest an, Louka geht hinaus und läßt die Tür offen.]

Bluntschli [zerstreut, sitzt am Tisch wie zuvor und legt sein Papiere nieder]: Das ist eine auffallend hübsche junge Person.

Sergius [ernst, ohne sich zu rühren]: Hauptmann Bluntschli!

Bluntschli: Sie wünschen?

Sergius: Sie haben mich betrogen, Sie sind mein Nebenbuhler; ich dulde keinen Rivalen! Um sechs Uhr werde ich allein zu Pferd, mit meinem Säbel, auf den Exerzierplatz an der Straße nach Klissura sein! —Verstehen Sie mich?