Raina: Wer denn? [Plötzlich die Wahrheit ahnend:] Ah, Louka, mein Mädchen, meine Dienerin! Sie waren ja mit ihr die ganze Zeit nach dem Frühstück allein—oh, so also sieht der Gott aus, den ich angebetet habe! [Er begegnet ihrem Blick mit sardonischer Freude über ihre Ernüchterung; um so geärgerter tritt sie näher an ihn heran und sagt in leisem, heftigem Tone:] Wissen Sie, daß ich vom Fenster aus, als ich mich umwandte, um noch einen Blick auf meinen Helden zu werfen, etwas gesehen habe, was ich vorhin nicht verstand? Jetzt weiß ich, daß Sie mit Louka angebandelt haben!

Sergius [mit grimmigem Humor]: Haben Sie das bemerkt?

Raina: Nur zu gut. [Sie wendet sich weg und wirft sich ganz überwältigt auf den Diwan unter dem Mittelfenster.]

Sergius [zynisch]: Raina, unser Roman ist zu Ende. Das Leben ist eine Posse.

Bluntschli [gutmütig zu Raina]: Sehen Sie, jetzt hat er sich endlich selbst durchschaut.

Sergius: Bluntschli: ich habe Ihnen erlaubt, mich einen Dummkopf zu nennen; jetzt können Sie mich auch noch einen Feigling schelten: ich weigere mich, mich mit Ihnen zu schlagen. Wissen Sie, warum?

Bluntschli: Nein, aber das macht nichts. Ich habe nicht gefragt, warum Sie mich gefordert haben, und ich frage auch jetzt nicht, warum Sie wieder abwinken. Ich bin Berufssoldat, ich kämpfe, wenn ich kämpfen muß, bin aber immer sehr froh, nicht kämpfen zu müssen, wenn es nicht unbedingt notwendig ist. Sie sind nur ein Amateur; Sie glauben, Kämpfen ist ein Vergnügen.

Sergius: Trotzdem will ich Ihnen den Grund sagen, Sie Berufssoldat, Sie: Zu einem echten Kampf gehören zwei Männer, wirkliche Männer, Männer von Herz, Blut und Ehre. Mit Ihnen könnte ich mich ebenso wenig schlagen, wie ich einer häßlichen Frau Liebeserklärungen machen könnte. Ihnen fehlt der Magnetismus für ein Duell, Sie sind kein Mann,—Sie sind eine Kampfmaschine.

Bluntschli [als wollte er sich entschuldigen]: Das ist vollkommen richtig! Wahrhaftig! So ein Kerl war ich immer, ich bedaure! Aber jetzt, da Sie wieder entdeckt haben, daß das Leben keine Posse, sondern etwas ganz Vernünftiges und Ernsthaftes ist,—welches Hindernis gibt es jetzt noch für Ihr Glück?

Raina [sich erhebend]: Sie scheinen sehr besorgt um unser Glück.
Haben Sie seine neue Liebe vergessen—Louka? jetzt soll er nicht mit
Ihnen kämpfen, sondern mit seinem Nebenbuhler—Nicola.