(McComas nimmt seine ganze Kraft zusammen:) Lassen Sie mich eine letzte Bitte aussprechen, Frau Clandon. Glauben Sie mir, es gibt Männer, die sehr viel Gefühl, ja Güte haben, die aber unfähig sind, sie auszudrücken. Was Sie an McNaughtan vermissen, ist jener bloß äußere Anstrich von Zivilisation, die Kunst, wertlose Aufmerksamkeiten zu erweisen und auf reizende liebenswürdige Art unaufrichtige Komplimente zu machen. Wenn Sie in London lebten, wo die ganze Gesellschaftsordnung auf falscher Kameradschaftlichkeit aufgebaut ist und Sie mit einem Menschen zwanzig Jahre zusammen sein können, ohne herausgefunden zu haben, daß er Sie haßt wie Gift, dann würden Ihnen die Augen bald aufgehen. Dort tut man unfreundliche Dinge auf freundliche Art; man sagt Bitterkeiten mit süßer Stimme; man gibt seinen Freunden immer Chloroform, wenn man sie in Stücke reißt. Aber denken Sie an die Kehrseite der Medaille! Denken Sie an die Leute, die auf unfreundliche Weise Gutes tun—an Leute, deren Berührung schmerzt, deren Stimme schneidet, deren Temperament zuweilen mit ihnen durchgeht—die es fertig bringen, Menschen, die sie lieben, zu verletzen und zu quälen, selbst dann noch, wenn sie sie versöhnen wollen—und die trotzdem ebensoviel Liebe brauchen wie wir andern… McNaughtan hat ein entsetzliches Temperament, ich gebe es zu; er hat keine Manieren, keinen Takt, keine Anmut—er wird nie imstande sein, irgend jemandes Neigung zu gewinnen, wenn dieser nicht seine Sehnsucht danach auf Treu und Glauben hinnimmt. Soll er gar keine Liebe haben, nicht einmal Mitleid?… auch nicht von seinem eigenen Fleisch und Blut?

(Dolly ganz gerührt:) Oh, wie wundervoll, Finch!… wie lieb von Ihnen!

(Philip mit Überzeugung:) Finch, das nenne ich
Beredsamkeit—wahrhaftig Beredsamkeit!

(Dolly.) O Mama, geben wir ihm noch eine Chance! Behalten wir ihn zum
Essen!

(Frau Clandon unbewegt:) Nein, Dolly: ich habe kaum etwas vom Lunch gehabt.—Mein lieber Finch, es ist ganz zwecklos, mit mir über Fergus zu sprechen. Sie sind nicht mit ihm verheiratet gewesen—aber ich.

(McComas zu Gloria:) Fräulein Clandon, ich habe bis jetzt davon abgesehen, mich an Sie zu wenden, weil Sie sogar noch unbarmherziger als Ihre Mutter gewesen sind, wenn das wahr ist, was mir McNaughtan gesagt hat.

(Gloria trotzig:) Sie wenden sich von der Stärke der Mutter an die
Schwäche der Tochter!

(McComas.) Nicht an Ihre Schwäche, Fräulein Clandon—ich wende mich vom Verstande der Mutter an das Herz der Tochter.

(Gloria.) Ich habe gelernt, meinem Herzen zu mißtrauen. (Mit einem zornigen Blick auf Dr. Valentine:) Wenn ich könnte, ich würde mir das Herz aus dem Leibe reißen und es fortwerfen. Meine Antwort ist die Antwort meiner Mutter! (Sie tritt zu Frau Clandon und umarmt sie. Aber Frau Clandon, unfäbig, diese Art zur Schau gestellter Neigung zu ertragen, befreit sich, so rasch sie, ohne Glorias Gefühle zu verletzen, nur kann.)

(McComas besiegt:) Nun, das tut mir leid—sehr leid. Ich habe mein
Möglichstes getan. (Er erbebt sich und ist im Begriff, in tiefster
Unzufriedenheit fortzugehen.)