(McNaughtan ärgerlich:) Was! (Sie behält ihren wunderlichen Ausdruck bei. Er streckt die Waffen:) Nun ja, liebes Kind, ich nehme an, daß du recht hast… es wird wohl so sein. (Sie nickt liebenswürdig.) Ich fürchte, ich bin manchmal etwas reizbar, aber ich weiß immer, was recht und billig ist, selbst wenn ich nicht danach handle… Kannst du das glauben?
(Gloria.) Das glauben?… Das ist doch ganz mein Fall—auf ein Haar! Ich weiß auch stets, was recht ist und meiner würdig und stark und edel—genau so gut, wie sie es weiß. Aber, ach! ich tue Dinge… und ich gestatte anderen Leuten, Dinge zu tun—!
(McNaughtan etwas mürrisch, gegen seinen Willen:) "So gut, wie sie es weiß"… du meinst deine Mutter!…
(Gloria rasch:) Ja, meine Mutter. (Sie wendet sich auf den Knien zu ihm hin und ergreift seine Hände.) Nun hören Sie mich an: keinen Verrat an ihr—kein Wort—keinen Gedanken gegen sie! Sie steht über uns—über Ihnen und mir—himmelhoch über uns!—Sind Sie damit einverstanden?
(McNaughtan.) Ja ja, ganz wie du willst, mein liebes Kind.
(Gloria ist nicht befriedigt, läßt seine Hände los und zieht sich von ihm zurück:) Sie mögen sie nicht?
(McNaughtan.) Mein Kind, du bist nicht mit ihr verheiratet gewesen—aber ich! (Sie steht langsam auf und betrachtet ihn mit wachsender Kälte.) Sie hat mir ein großes Unrecht zugefügt, indem sie mich heiratete, ohne mich wirklich zu lieben.—Aber nachher war alles Unrecht auf meiner Seite, das glaube ich selbst. (Er reicht ihr wieder die Hand.)
(Gloria ergreift sie; fest und warnend:) Nehmen Sie sich in acht—das ist ein gefährliches Thema. Mit meinen Gefühlen, meinen elenden, feigen, weiblichen Gefühlen—kann ich auf Ihrer Seite stehen; aber mit meinem Gewissen stehe ich auf der Seite meiner Mutter.
(McNaughtan.) Ich bin mit dieser Teilung sehr zufrieden, liebes Kind.
Ich danke dir.
(Dr. Valentine tritt ein, Gloria wird sofort vorsätzlich hochmütig.)