(Philip.) Ach, der nicht—! (sich zu einer Szene vorbereitend:) Und nun gib acht, Mama. (Er nimmt den Schemel, der neben der)
(Bank steht, und setzt sich majestätisch in die Mitte des Zimmers, die vorhergegangene Demonstration Valentines kopierend.)
(Dolly fühlt, daß ihr Platz auf der Stufe des Operationsstuhles nicht der Würde dieses Anlasses entspricht; sie erhebt sich und schaut wichtig und entschlossen drein. Sie geht an das Fenster und lehnt sich mit dem Rücken gegen die Kante des Schreibtisches, ihre Hände hinter sich auf den Tisch legend.)
(Frau Clandon betrachtet beide, verwundert, was da kommen wird.)
(Gloria wird aufmerksam.)
(Philip streckt sich, legt die Handknöchel symmetrisch auf die Knie und trägt seinen Fall vor:) Dolly und ich, wir haben letzthin mancherlei besprochen, und infolge meiner Menschenkenntnis glaube ich nicht, glauben wir nicht, daß du… (er spricht sehr pointiert, mit Pausen zwischen den Worten:) die Tatsache in ihrer ganzen Tragweite erfaßt hast…
(Dolly setzt sich mit einem Satz auf den Tisch:)… daß wir erwachsen sind!
(Frau Clandon.) Wirklich?… In welcher Beziehung habe ich euch Anlaß zu Klagen gegeben?
(Philip.) Nun, wir fangen an zu fühlen, daß es gewisse Dinge gibt, über die du uns etwas mehr ins Vertrauen ziehen könntest.
(Frau Clandon erhebt sich.) Die ganze Sanftmut ihres Alters ist plötzlich fort, und eine merkwürdig harte, würdevolle, aber verbissene, vornehme, jedoch unerschütterliche Aufregung, die Art der alten Vorkämpferin der Frauenbewegung, überkommt sie:) Phil, nimm dich in acht! Vergiß nicht, was ich dich immer gelehrt habe! Es gibt zwei Arten des Familienlebens, Phil, und deine Menschenkenntnis erstreckt sich vorläufig nur auf die eine. (Rhetorisch:) Die Art, die du kennst, ist auf gegenseitige Achtung gegründet, auf der Anerkennung des Rechtes eines jeden Mitglieds des Hauses, auf Unabhängigkeit und Selbstbestimmung (ihre Betonung des Wortes "Selbstbestimmung" ist bedeutsam:) in seinen persönlichen Angelegenheiten. Und weil du dieses Recht immer genossen hast, scheint es dir so selbstverständlich, daß du es nicht mehr schätzest;—aber (mit beißender Schärfe:) es gibt noch eine andere Art des Familienlebens. Ein Leben, in dem Ehemänner die Briefe ihrer Frauen öffnen und von ihnen Rechenschaft für jeden Pfennig ihrer Ausgaben und jeden Augenblick ihrer Zeit verlangen, ein Familienleben, in welchem Frauen dasselbe von ihren Kindern fordern! Ein Familienleben, in welchem kein Zimmer abgeschlossen und keine Stunde heilig ist, in welchem Pflicht, Gehorsam, Liebe, Heim, Sittlichkeit und Religion verabscheuenswerte Tyrannen sind und das Dasein eine vulgäre Kette von Strafen und Lügen bedeutet, von Zwang und Unterdrückung, Eifersucht, Argwohn und gegenseitigem Beschuldigen—oh! Ich kann es dir nicht beschreiben: zu deinem Glück weißt du nichts davon. (Sie setzt sich und holt Atem.