(Die Terrasse des Marinehotels—eine viereckige gepflasterte Planform, die in der Sonne funkelt und auf der Seeseite von einer Brustwehr aus schweren Stützpfeilern eingefaßt ist, die wie schwerfällige Ölkrüge aussehen und eine breite steinerne Mauerkappe tragen.)
(Der Oberkellner des Etablissements, der damit beschäftigt ist, auf einem Frühstückstisch Servietten zu ordnen, wendet dem Meere den Rücken zu und hat das Hotel zu seiner Rechten; zu seiner Linken, in der Ecke, befindet sich in der Nähe des Meeres die Flucht von Stufen, die hinunter zum Strand führen. Wenn er vor sich die Terrasse hinunterblickt, sieht er gegenüber, etwas zu seiner Linken, einen Herrn in mittleren Jahren, der auf einem eisengitternen Stuhle an einem kleinen eisernen Tische sitzt, auf dem sich eine von drei Wespen umschwirrte Zuckerdose befindet. Er liest den "Standard" und hat seinen Schirm aufgespannt, um sich gegen die Augustsonne zu schützen, die—es ist noch nicht ein Uhr nachmittag—seine ausgestreckten Beine röstet. Ihm gegenüber, auf der Hotelseite der Terrasse, steht eine Gartenbank von der gewöhnlichen Strandpromenadenform. Besucher treten durch einen Eingang in der Mitte der Fassade ins Hotel, wohin man über ein paar Stufen gelangt, die sich auf einem breiten, erhöhten, gepflasterten Viereck erheben. Näher an der Brüstung ist ein geheimer Weg in die Küche durch ein kleines Gitterportal maskiert. Der Tisch, an dem der Kellner sich beschäftigt, ist sehr lang. Er steht quer über der Terrasse und ist mit fünf Gedecken versehen; vor jedem Gedeck steht ein Stuhl, und zwar befinden sich zwei Stühle auf jeder Längsseite und ein Stuhl an der dem Hotel zugewandten Schmalseite. Gegen die Brustwehr lehnt ein zweiter, als Büfett eingerichteter Tisch, von dem aus serviert werden soll.)
(Der Kellner ist in seiner Art ein bemerkenswerter Mensch. Ein zarter alter Mann mit weißen Haaren und sanften Augen, jedoch so freudig und zufrieden, daß in seiner ermutigenden Gegenwart Ehrgeiz sich als Gemeinheit gerügt fühlt und Einbildungskraft als Verrat an dem überströmenden Reichtum und Interesse der Wirklichkeit. Er hat jenen gewissen Ausdruck, der Menschen eigen ist, die in ihrem Beruf hervorragend sind und die, im Bewußtsein der Nichtigkeit des Erfolges, von Neid unberührt bleiben.)
(Der Herr an dem eisernen Tischchen ist nicht für den Strand gekleidet. Er trägt seinen Londoner Gehrock und Handschuhe; sein hoher Zylinder steht auf dem Tisch neben der Zuckerdose. Die vortreffliche Verfassung und Qualität dieser Kleidung, der goldgeränderte Zwicker, mit dem er den "Standard" liest und die "Times", die an seinem Ellbogen über der Ortszeitung liegt—alles weist auf seine Achtbarkeit hin. Er ist ungefähr fünfzig Jahre alt, glatt rasiert und kurzgeschoren. Seine Mundwinkel sind absichtlich herabgezogen, als hätte er sie im Verdacht, hinaufschnellen zu wollen, und wäre entschlossen, ihnen den Willen nicht zu lassen. Er hat große, weite Ohren, Augen von der Farbe des Stockfisches und eine energische Stirn, die er resolut offen trägt, als wenn er, wiederum, in seiner Jugend beschlossen hätte, wahrheitsliebend, großmütig, unbestechlich zu bleiben, es ihm aber niemals gelungen wäre, diese geistige Gewöhnung automatisch und unbewußt zu machen. Trotzdem macht er durchaus keinen lächerlichen Eindruck; kein Zeichen der Dummheit oder Willensschwäche ist an ihm bemerkbar;—im Gegenteil, er würde dem Anblick nach überall für einen Menschen von mehr als durchschnittlichen geschäftlichen Fähigkeiten und geschäftlicher Verantwortung gehalten werden. Augenblicklich genießt er das Wetter und das Meer zu sehr, um die Geduld zu verlieren; aber er hat alles Neue in seinen Zeitungen durchgelesen und ist gegenwärtig auf die Inserate angewiesen, die aber nicht interessant genug sind, ihn für die Dauer zu fesseln.)
(Der Herr gähnt und verzichtet auf die Zeitung als ungenießbar:)
Kellner!
(Der Kellner.) Bitte? (Er nähert sich ihm.)
(Der Herr.) Wissen Sie ganz bestimmt, daß Frau Clandon vor dem
Frühstück zurückkommt?
(Der Kellner.) Ganz bestimmt. Sie erwartet den Herrn um dreiviertel auf Eins. (Der Herr, den des Kellners Stimme sofort besänftigt, sieht ihn mit einem lässigen Lächeln an. Der Kellner hat eine ruhige, sanfte, melodische Stimme, die seinen alltäglichsten Bemerkungen ein sympathisches Interesse verleiht; er spricht mit dem süßesten Anstand, ohne seine H's zu verschlucken oder sie zu verlegen, oder in irgendeine andere Vulgarität zu verfallen. Der Kellner sieht nach der Uhr und fährt fort:) Es ist noch nicht so viel, nicht? Erst zwölf Uhr dreiundvierzig… nur noch zwei Minuten muß sich der Herr gedulden.— Schöner Morgen, nicht wahr?
(Der Herr.) Ja. Sehr frisch im Vergleich zu London.
(Der Kellner.) Ja. Das sagen alle unsere Gäste.—Eine sehr angenehme
Familie, die von Frau Clandon.