ad 10. Die Stadtbibliothek zu Nürnberg ist seit dem Jahre 1835 im Besitz einer Sammlung von Bruchstücken Dürer’scher Manuscripte und Federskizzen, über welche der Herr Inspector Becker in seinem Aufsatz in dem Archiv für die zeichnenden Künste von Naumann, 4. Jahrgang, 1. Heft, pag. 20 und folgende, Näheres mitgetheilt hat. —

Eine bedeutende Zahl schöner und feiner Federstudien, welche zum größten Theil wie jene Bruchstücke sowohl zu den drei letzten Büchern »von menschlicher Proportion« wie zu »der Underweysung der meßung, mit dem zirckel etc.« gehören, sind den Manuscriptblättern angebunden. Die Zeichnungen zu dem 2. bis 4. Buch »von menschlicher Proportion« sind aber höchst lückenhaft und es wird dadurch erklärlich: daß so manche Federzeichnung, zu den in diesem Werke befindlichen Holzschnitten, in den verschiedensten Sammlungen angetroffen wird.

ad 11. Die Zeichnungen der Ambraser-Sammlung sind von Heller, pag. 95 bis 97 näher beschrieben, sie zeichnen sich durch die vortrefflichste Erhaltung aus.

Ausser den hier beschriebenen ist noch eine colorirte Zeichnung vorhanden, welche 5 Zoll 8 Linien hoch und 8 Zoll 9 Linien breit den Arion mit der Harfe auf einem Delphin darstellt und die Ueberschrift hat

PISCE SVPER CVRVO VECTVS CANTABAT ARION.

Die höchst interessanten drei Zeichnungen, welche der 1822 verstorbene Rentmeister Pfaundler in Inspruck der Ambraser-Sammlung vermacht hat und von Heller pag. 44 und 45 unter 1, 2 und 4 erwähnt werden, sind ebenfalls dem »Kunstbuche« eingefügt und hat die letzte vom Jahre 1525, den Traum darstellend, noch die Merkwürdigkeit, daß der ganze Papierbogen derselben unbeschnitten erhalten ist. Er mißt 16 Zoll 6 Linien in der Höhe und 11 Zoll 3 Linien in der Breite und hat das Wasserzeichen des gekrönten Schildes mit Lilien, Nr. 11.

ad 12. In der Sammlung des Städel’schen Instituts in Frankfurt a.M. verdienen unter den Dürer’schen Handzeichnungen eine besondere Beachtung:

Das sehr fein mit der Feder gezeichnete Portrait des Blankfeld, Dürer’s Wirth zu Antwerpen, welches der verdienstvolle Inspector Passavant für seine Anstalt in Rom zu erwerben das Glück gehabt hat.

Zwei mit ausserordentlicher Feinheit gezeichnete Studien von Figuren aus Sir Thomas Lawrence’s Sammlung.

Die bereits pag. 67 erwähnte Zeichnung, Christus im Oelgarten betend; mit ausgebreiteten Armen in Kreuzesform, auf dem Boden niederliegend, dargestellt. Es ist eine eben so schöne als vortrefflich erhaltene Federzeichnung vom Jahre 1521.