Die mir zu Gesicht gekommenen anscheinenden Probedrücke vom B. 76 haben sämmtlich das Wasserzeichen des Ochsenkopfes mit Kreuz und Blume, Nr. 20.

Obgleich von allen Holzstöcken des Lebens der Jungfrau Abdrücke des Ersten Etats vorhanden sind, so kann man doch nicht wohl, wie häufig geschieht, von einer Ersten Ausgabe vor dem Text reden, denn ich glaube nachgewiesen zu haben, daß Dürer diese Blätter theilweise zu verschiedenen Zeiten in den Handel brachte, auch ist mir bis jetzt — selbst in den berühmtesten und vollständigsten Sammlungen — nicht ein einziges Exemplar vorgekommen, bei dem die Abdrücke sämmtlich von diesem Ersten Etat wären.

Dürer erwähnt in seinem Tagebuche ebenfalls des Lebens der Jungfrau nur als großes Buch d.h. mit Text.

Nach Dürer’s Tode kommen dagegen Folgen von Abdrücken ohne Text, von sämmtlichen Blättern, jedoch mit Ausnahme des Titels vor, welche nach dem Papier und der Druckweise gleichzeitig genommen und in den Handel gebracht wurden.

Die Holzstöcke sind bei den ältesten dieser Folgen — wenngleich in einzelnen Kleinigkeiten verletzt — meist noch sehr wohl erhalten, und man kann manche der oft sehr sorgfältigen Drucke, wenn man nicht das hier untrügliche Papier mit seinen Wasserzeichen beachtet, nicht leicht von den Abdrücken des Ersten Etats unterscheiden. Auch von dem Titel kommen, wie bereits oben erwähnt, spätere Drucke ohne Text vor, die besseren auf Papier mit dem Wasserzeichen der Hand mit der Blume, Nr. 26, doch weit seltner und nie auf denselben Papieren der späteren Folgen, daher diese Platte gleich nach der Ausgabe mit Text von den übrigen zusammen gebliebenen Holzstöcken getrennt und in andere Hände gekommen sein muß. —

Bei einzelnen der Holzschnitte aus dem Leben der Jungfrau giebt es übrigens noch einige besondere Kennzeichen, welche die Bestimmung der Priorität der Abdrücke erleichtern. 80 sind auf B. 84 — der Heimsuchung — ganz oben, zu den Seiten der in der Mitte befindlichen weißen Wolke, zwei kleine Fehlstellen, welche bei den ersten Drucken kaum sichtbar, schon während des Druckes der Ausgabe mit Text deutlicher werden und bei den späteren Abdrücken immer mehr hervortreten.

Auf Nr. 86, der Beschneidung, ist oben rechts in der Ecke eine weiße Fehlstelle, welche zwar auch auf früheren Abdrücken sichtbar, aber nur 3 Linien lang und etwa eine halbe Linie breit ist, während sie auf den Abdrücken nach dem Text vier Linien lang und ein bis ein und eine halbe Linie breit wird.

Eine ähnliche weiße Stelle ist schon auf den ersten Abdrücken von der Flucht nach Egypten, B. 89, links über dem obersten Fruchtbüschel des Palmbaumes sichtbar, sie breitet sich aber später — besonders nach unten — weiter aus.

Auf Nr. 95, der Verehrung der Jungfrau, ist bei allen Abdrücken nach dem Text, ein feiner Sprung zu bemerken, welcher, in der Mitte des Holzstocks, von oben bis auf die Haare der Maria hinunter geht. Er ist anfangs sehr fein und kommt so schon auf mehreren Abdrücken mit Text vor, auf den späteren Drucken wird dieser Sprung aber immer augenfälliger.

Diejenige Abdrucksfolge von dem Leben der Jungfrau, welche, der Schärfe und Erhaltung der Holzstöcke nach, die früheste von denen nach Dürer’s Tode veranstalteten ist, und wenn man die Abdrücke vor dem Text als Ersten, diejenigen mit Text als Zweiten Etat bezeichnet, als Dritter Etat erscheint, hat Papier mit dem Wasserzeichen einer Art Fischblase oder Urne, Nr. 42. Es ist nicht so dick wie die älteren Papiersorten zu Dürer’s Zeit, aber fest und die Drathstriche haben einen Abstand von knapp 11 Linien. Eine große Zahl dieser Abdrücke findet sich in den Sammlungen zerstreut, auch habe ich verschiedene Male die Folge von B. 77 bis 95 vollständig angetroffen.