Der Verleger dieser Abdrücke muß ausser den Holzstöcken des Lebens der Jungfrau noch andere Dürer’sche Holzstöcke besessen und Abdrücke davon verbreitet haben, denn dasselbe Papier und gleiche Druckweise trifft man bei späteren Abzügen, namentlich von der Anbetung der Könige, B. 3, und der Verehrung der Maria, B. 101. — Zu diesem Dritten Etat des Lebens der Jungfrau sind noch einzelne Abdrücke von fast gleicher Güte zu rechnen, welche auf Papieren vorkommen, die das Wasserzeichen einer Hand mit Blume, Nr. 26, oder eines mit der Krone bedeckten Wappenschildes haben, worin sich eine Lilie befindet, Nr. 52. Die Drathstriche des ersten Papiers haben eine Entfernung von 11 Linien, das letztere Papier ist besonders fest, die Entfernung der Drathstriche etwas geringer.

Eine nur etwas spätere Folge, ebenfalls ohne Titel und nicht minder sorgfältig gedruckt, erkennt man an dem Papiere mit dem Wasserzeichen eines großen geschweiften Wappens und einer Krone darüber, Nr. 45.

Dieses Papier mißt, unbeschnitten, in der Höhe 15 Zoll 4 Linien, in der Breite 12 Zoll 3 Linien, so daß der Papierrand der Abdrücke 2 bis 2½ Zoll beträgt.

Bei dieser Folge ist zu bemerken, daß statt der zum Leben der Jungfrau gehörenden Anbetung der Könige, B. 87, sich darin die Anbetung der Könige, B. 3, befindet und daß am Schluß die Verehrung der Maria, B. 101, angefügt ist.

Das Papier, dessen Drathstriche einen Abstand von 11¾ Linien haben, ist fest und etwas griffiger als das der vorbezeichneten Folge. Die Abdrücke sind kräftig, und nur nach sehr genauer Vergleichung entdeckt man an der Zunahme der kleinen Aussprünge in den Einfassungs-Rändern, wie an der Ausdehnung der kleinen Fehlstellen in B. 84, 86, 89 und 95, daß diese Edition, welche als Vierter Etat zu bezeichnen wäre, später als die vorhergehende veranstaltet ist. In den Abdrücken von B. 3 und 101 finden sich schon die in den frühesten Abdrücken derselben noch nicht sichtbaren Sprünge ziemlich bedeutend.

Die Abdrücke dieses Vierten Etats sind übrigens weit seltener als diejenigen des Dritten Etats. Auffallend ist bei diesen späteren Editionen die größere Schärfe und Reinheit der Abdrücke von den im Jahr 1510 geschnittenen Holzstöcken gegen alle übrigen der Folge. Es bestätigt dieses die von mir ausgesprochene Ansicht: daß die Abdrücke der 17 älteren Holzstöcke früher verbreitet und daher auch häufiger abgezogen sind als die von B. 93 und 94.

Ausser diesen vorbezeichneten guten Folgen, welche jedem Sammler noch Freude machen werden, findet man von dem Leben der Jungfrau nicht selten spätere sehr mittelmäßige oder schlechte Abdrücke, welche neben geringer Kraft der Farbe, theilweise auch Spuren von Wurmfraß in den Holzstöcken haben, besonders aber auch durch das geringe meist sehr dünne Papier kenntlich sind, welches häufig das Wasserzeichen eines Wappenschildes mit Querbalken, Nr. 46, oder des Reichsadlers, Nr. 51, hat. —

Die grosse Passion.

Von der durch Albrecht Dürer ebenfalls im Jahr 1511 herausgegebenen großen Passion mit Text, B. 4 bis 15, auf den pag. 48 und 49 näher beschriebenen Papieren mit den Wasserzeichen Nr. 27 und 28, giebt es frühere Abdrücke ohne Text, welche sich durch Schärfe und Reinheit vor allen übrigen auszeichnen und daher als ein Erster Etat bezeichnet werden müssen.