„Also nach England fahrt ihr?“ sagte Petitjean und lachte. „Was für Ladung habt ihr?“

„Wein.“

Petitjean kannte diese Sorte. Er war ja selbst in dieser Branche tätig gewesen. „Es sind Schmuggler,“ sagte er zu mir, „sieh doch das Schiff an! Natürlich fahren sie nie nach Le Havre. Hahaha, gebt uns etwas Wein, wir wollen euch Fische geben.“

Aber die Leute auf dem sonderbaren Boot verstanden auf einmal kein Wort Französisch mehr, sie schimpften auf Spanisch.

L’honneur erbot sich ihnen die Schädel einzuschlagen.

Petitjean aber folgte ihnen mit glänzenden, sehnsüchtigen Blicken. „Ah, sie sind in der Klemme, sie rudern ja. Sie sind abgetrieben worden und haben keinen Wind.“ Er sah ihnen voll Mitgefühl nach und schnalzte mit der Zunge.

Petitjean war ein dumm und treuherzig aussehender Bursche, so wie die oft aussehen, die plötzlich zum Tod verurteilt werden. Sie haben da etwas getan, bei Gott, sie wissen kaum was, sie sind ganz erstaunt. Er hatte fünf Jahre bei einem Patron gedient, dessen Spezialität es war Schiffe zu verlieren. Vertraue ihm ein abgedientes Schiff an, das die Gesellschaften nur noch ungern versichern, du brauchst ihm gar nichts zu sagen: die Gesellschaften ziehen nicht mehr recht oder sonst etwas, das genügt. Das Schiff kommt nicht zurück! — Es scheitert, es sinkt, eines ist sicher, es kommt nicht wieder. Es ist zum Beispiel angebohrt, sinkend, in jämmerlicher Verfassung, Torpedoboote können es schleppen wollen, es ergibt sich nicht, es stirbt. Petitjean hatte mehr Schiffbrüche mitgemacht als irgend ein anderer. Die Bezahlung war ausgezeichnet. Aber dann, gerade als Petitjean zum Militär mußte, ertrank sein Patron mit der ganzen Besatzung. Er hatte diesmal einen kleinen Fehler gemacht, er rannte auf, bevor er es wollte.

Tagelang konnte Petitjean erzählen. Drei Worte, drei Gesten, aber man sah alles. Er war zu dumm um zu lügen.

L’honneur dagegen war ein witziger Bursche mit hellen Augen und entwickelten Zügen. Er log. Alle seine Bewegungen waren rasch. Er war immer geschäftig. Er nagelte an einer Stange, knüpfte ein Seil, flickte ein Segel, immer sah er etwas. Er war barfüßig, trug eine kurze Hose und ein lächerlich kurzes Hemd — was für ein Hemd war es doch! Es reichte nur ein wenig unter die Schultern, ließ seinen ganzen braunen Rücken, die Arme und die Brust frei, und doch war es ein Hemd und noch dazu ein Hemd aus San Franzisko. Auf seinen rechten Arm war ein Segelschiff tätowiert und Napoleon, um den sich eine dicke Schlange ringelte, auf seine Brust ein Riesenbildnis der Republik, und wenn seine Hose herabrutschte, so sah man auf seinem Sitzfleisch einen runden, böse blickenden Fisch mit zornigen Stacheln, L’honneur war braun und halbnackt und man sah, daß er unzweifelhaft männlichen Geschlechts war.

L’honneur legte ein Seil wie eine Acht auf das Deck und tanzte, während er dazu spielte; er machte seine Sache geschickt und berührte das Seil nie mit den Füßen.