Natürlich konnte ich das auch. „L’honneur, spiele!“ Aber, siehe da, es war nicht so leicht wie es aussah.

Dann legten wir die Leinen aus und wurden ganz still. Stunden vergingen. Wir fischten den lieu, blank wie Stahl, mit spitzer Hechtschnauze, den silberglänzenden pirronneau, der einen Drachenflügel auf dem Rücken hat, den grausamen sarthe, mit spitzen Zähnen im Rachen, gieriger breiter Drossel, gewölbten Katzenaugen, getigertem Leib, ziegelrotem Kopf und rotgelben Flossen, den liebchen coquette, der scharlachrot wird, wenn er an die Luft kommt, den morchelartigen vielle, dick und plump, mit lüsternen Negerlippen, den rouget, merland, congre. Da lagen sie in der Ecke, schnappten nach Luft, starben. Morgen werden wir ins Meer stürzen und nach Luft schnappen. Sarthe wird herankommen wie ein Unterseeboot und uns die Augen ausreißen, und der dicke vielle wird uns mit seinen lüsternen Negerlippen die Nase abknabbern.

Die Sonne stieg ins Zenit und ich lag auf dem heißen Deck ausgestreckt und blinzelte zu ihr empor. Sie fauchte, flackte und ließ mir lange feurige Fahnen ums Gesicht wehen. Ich schloß die Augen und schlief. Aber da zuckte die Leine an meinem Finger: irgendein Fisch da drunten, der mich in einer dringenden Angelegenheit zu sprechen wünschte.

Die Glocken der Insel bimmelten in der Ferne und der Schiffsjunge trug das Mittagessen auf. Das war ein großer Topf, gefüllt mit Brühe, Kartoffeln, Kohl, Fischstücken, herrlich. Wir saßen um den Topf herum und fuhren mit den Löffeln hinein. L’honneur schlug ein derartig rasendes Tempo an, daß niemand ihm folgen konnte. Der mousse durfte den Topf auslecken.

Nun war es Zeit, die Reusen in die Höhe zu ziehen. Die Seile hatten schon Rinnen in den Bootsrand geschnitten und das Boot schnurrte und surrte wie eine Baßgeige. Man mußte ein Stück Zeug um die Hände wickeln, denn die nassen belasteten Stricke zerfetzten die Haut. Das Boot troff von Wasser und die mit Tang und Gras behängten Reusen brachten einen starken fruchtbaren Geruch vom Meeresgrund herauf. Die ersten Körbe waren leer, ein paar Muscheln und Seesterne, nur eine große Krabbe hockte darin, L’honneur empfing sie wenig höflich. Da sie nicht freiwillig aus dem Korb spazieren wollte, riß er ihr zuerst einige Beine aus, ja, nun ging es. Korb um Korb stieg empor und wir sahen alle gespannt ins Wasser, wo der Korb erscheinen mußte. Wenn man die bleiche Fischleiche schimmern sah, so war wenig Hoffnung vorhanden. Das Geschäft blühte, wir waren nicht unzufrieden.

Hehe! Heraus mit euch!

L’honneur faßte sie geschickt um die Taille, preßte sie zwischen die Knie und schnitt ihnen die Sehnen der Scheren durch. Die Langusten schnurrten, burr! burr! und schnellten sich auf den Schwänzen rückwärts, sie scheuten vor L’honneurs Messer und glotzten es mit ihren langen Pilzaugen an. Es half ihnen nichts. Es war merkwürdig, daß sie meistens zu Paaren in den Körben saßen. Gewiß war das eine Art von Hochzeitsreisenden, die plötzlich auf ihrer Wanderung diese herrliche mit Fisch gefüllte Villa auf dem Meeresgrund angetroffen hatten und sich häuslich niederließen. Hier wollen wir bleiben, Geliebte — aber da fing die Villa an zu marschieren. Sie trugen Kupferpanzer und im Nacken Knorpelschilder; auch ein Paar Hummern war dabei, in blanken Stahlbrünnen. Sie schlugen wild mit den Zangen um sich und L’honneur erhielt einen Schlag in die Hand. Das Blut sprang heraus. „Sacre nom de bleu cochon!!“ Vorsicht, L’honneur! Ein Hummer schneidet einen Finger glatt durch.

Wir hatten die Körbe wieder instand gesetzt und hinabgelassen, als sich ein kleines Boot näherte. Wir machten die Augen scharf, wer in aller Welt — es war Yann.

Da kam er herausgerudert, vier Meilen weit, um uns einen Besuch abzustatten.

„Ah, der kleine Kapitän! Ihr arbeitet heute nicht?“