„Nun, so nimm es doch, Rosseherre!“ schrie Yann. „Er ist mein Freund!“

Rosseherre sah mich dankbar an. „Merci!“ sagte sie leise und lächelte. Sie betrachtete das Tuch nochmals von allen Seiten. „Wo hast du es gekauft? — In Paris!?“ Das konnte Rosseherre kaum fassen. Dann beugte sie sich über meine Hand und studierte die Ringe. „Wie hübsch sie sind, Yann, sieh doch!“ Ich nahm die Ringe ab und sie streifte sie über die Finger. Sie hielt sie gegen das Licht, damit sie glänzten, und ihre Augen waren voll verliebter Gier.

Nun aber mußte Yann sein Gutachten abgeben. Er zog ein derbes Messer aus der Tasche hinten, schabte vorsichtig daran und ritzte die Steine. Zuletzt spie er etwas darauf und polierte sie am Ärmel.

„Echt!“ sagte er.

Rosseherre war durstig und wollte gerne Cidre haben. „Also, Cidre, Patronne! Im Namen der Hölle, rasch, sechs Flaschen!“

Yann prüfte ihn. Er roch, leckte, zerpreßte einen kleinen Schluck auf der Zunge und je weiter seine Untersuchung vorschritt, desto strahlender wurde seine Miene. Das war ein Cidre . . .! Auch Rosseherre und ich mußten daran riechen, Yann zwinkerte vielsagend und überhäufte im nächsten Augenblick Madame Chikel mit den wüstesten Vorwürfen, uns so etwas für diesen Preis vorzusetzen. Madame Chikel war gezwungen den Preis um einen Sou pro Flasche nachzulassen, ob sie wollte oder nicht. Nun war Yann glücklich.

„Ich tue das immer,“ sagte er, „das sind ja lauter Diebe, diese Leute auf der Insel. Selbst die Priester sind Diebe hier.“ Dann zeigte er mir, wie man Cidre zu trinken habe. „Nicht schlucken, um Gottes willen nicht schlucken — so — einfach hinablaufen lassen. Durchs Schlucken verliert der Cidre vollkommen seine Blume, seine Seele. Aber wenn man getrunken hat, muß man die Zunge gegen den Gaumen pressen, das prickelt angenehm. So!“

Plötzlich schwang Yann seinen Fuß rasch unterm Tisch. „Ich wollte nur sehen, ob ihr zwei — haha!“

Wir unterhielten uns ausgezeichnet. Auch Poupoul. Es schien, als ob die Erinnerung an seine besten Zeiten in ihm erwache. Er lächelte. Einigemal wandte er mit großer Geschicklichkeit seinen Rattenfallentrick an, der darin bestand, daß er die Zähne um ein Bein schlug und festhielt ohne zu beißen.

Die schwarze Jeanette stand lächelnd neben uns und sah mit verlangenden Augen zu, wie wir tafelten.