Die Bar tobte. Man hätte hier einen Dampfhammer arbeiten lassen können, niemand hätte ihn gehört. Ha! Ha! Ha! Hoo! Es entstanden heulende Schwingungen infolge des Getöses und zuweilen schien es, als fliege das Grandhotel durch die Luft. Diese stillen, schweigsamen Leute, die in der Einsamkeit der Wogen beim Rauschen des Meeres arbeiteten, brüllten heute für ein ganzes Jahr. In der Ecke stand einer, den Kopf gegen die Wand gelehnt, die Augen verzückt geschlossen, und riß das Maul auf und schrie sinnlos heraus.
Die Köpfe dampften, die Arme wirbelten. Die Augen glühten wie geschmolzenes Blei in den brandroten Gesichtern. Die Frauen kreischten und quiekten. Es herrschte eine Betrunkenheit, die in Europa längst ausgestorben ist. Nur Chikel saß in seinem Winkel und spielte Domino.
Ich muß gestehen, daß ich mich hier zu Hause fühlte. Ich liebe sittsame Gesellschaften nicht. Zuweilen staut sich die Luft in meinen Lungen und dann macht es mir Vergnügen zu brüllen. Die überschüssige Kraft zuckt in meinen Muskeln und sie werden plötzlich hart wie Stein, und dann ist es hübsch einen Teller in Stücke zu schlagen. Siehst du! Wenn mich in guter Gesellschaft ein Idiot langweilt, so muß ich dazu lächeln, hier aber kann ich ihm sofort sagen, daß er in die Hölle fahren möge. Ja, bitte! Hier konnte man auch trinken, ohne sofort als Pavian zu gelten und tausend gestreckte Meilen Abstand zwischen sich und seine Umgebung zu legen.
Ha! Ha! Ha! Hooo!
Kedril hat allen Grund mit seiner Hochzeit zufrieden zu sein. Und er war es. In eine Wolke von Alkohol eingehüllt, mit Gespensteraugen, ging er mit einer Flasche in der Hand umher, wie ein Sprengwagen. Und dazu sprach dieser Mann eine vollkommen neue Sprache! Hatte sich der Geist eines Höhlenbewohners Chikels Seele bemächtigt und ritt sie?
„Was zum Teufel redet er denn?“
Yann wußte es. „Die Mondsprache,“ sagte er und begann eine Unterhaltung in diesem Idiom mit Kedril. Kedril war entzückt, er verstand, er antwortete. Ich aber war Ausländer, Kedril sah das ein.
„Wo steckt denn deine Frau, Kedril?“
„Frau? Frau? Frau?“ Kedril tanzte mit der Flasche. O, er hatte ganz vergessen —
„Wie schön der Priester heute gesprochen hat, wie?“ fuhr er fort. „Du sollst dich nicht vollsaufen, hahaha, so schön, so rührend hat er gesprochen. Morgen passiert die ‚Lady of Ireland‘, morgen abend, wirst du mitkommen? Eine Spazierfahrt. Ja, sagte ich, mein kleines Haifischchen —“ Er erzählte verworren von seinem Haifisch, den er im vorigen Sommer gefangen hatte. „Mein kleiner Haifisch, ich sehe ihn, er marschiert daher, komm heran, mein Kleiner, mit deinen hübschen Zähnchen — keine Angst, gib mit die Ehre.“ Es sah aus, als habe er ihn mit der Hand gefangen und an den Zähnen herausgezogen — ekelhaft!