Wir gingen auf und ab über die öde Heide. Da und dort lagen verwitterte Steinblöcke und Haufen von aufgeschichtetem Tang. Nichts war zu hören als das klägliche Blöken der frierenden Hammel, die hier und da angepflöckt waren, und der schrille Schrei einer Möwe irgendwo. Eine hungrige schwarze Kuh stand am Wege und muhte melancholisch, als wir vorbeikamen. Sie war nicht größer als ein Kalb, eine Zwergin von einer Kuh. Keine der wenigen Kühe auf der Insel war größer. Auch die Tiere taten hier nur, was unbedingt nötig war; die Hühner legten winzige Taubeneier. Am Boden zitterten kleine kurzstielige Blumen. Der Wind ließ sie nicht in die Höhe wachsen. Da sie die Nordwinde fürchteten, so hatten sie sich nur an den südlichen Rändern der Erdwälle angesiedelt. Hier lagen sie auf dem Gesicht und froren. So oft wir aus einer Mulde herauskamen, sahen wir das düster rauchende Meer und die schäumenden Klippen. Der Norden der Insel war in eine Nebelbank eingehüllt, die langsam näherkroch.
Rosseherre wußte nichts mehr, und nun erzählte ich ihr alles, was mir da drunten auf dem Meeresgrund passiert war. Ich flocht eine Menge haarsträubender Abenteuer mit Haifischen und Polypen ein um ihrer Phantasie entgegenzukommen.
Plötzlich blieb Rosseherre, stehen und sah mich erschrocken an. Ihre Augen waren grün wie der Schaum im Meer. „Du hast Vater und Bruder gesehen?“ unterbrach sie mich.
„Ich träumte das ja nur, Rosseherre.“
Rosseherres Blick flackerte und sie wurde rot. „Sie sind beide ertrunken,“ sagte sie leise. Und sie deutete über die Heide und ihre Stirn zerknitterte sich feindselig. „Da draußen!“ Eine Weile erschien sie mir merkwürdig und um vieles älter, dann aber schüttelte sie den Kopf und ging weiter. „Und was sagten sie?“
„Rosseherre ist hier. Sonst nichts.“
Rosseherre lächelte.
„Sonst sagten sie nichts?“
„Nein.“
Und ich erzählte, daß sie alle im Kreise standen und heulten, und was ich mit ihr tat. Da sah mich Rosseherre mit großen, verwunderten, lachenden Augen an und brach in ein lautes, kindliches Gelächter aus.