Oft segelte der Meerkönig, ohne aufzusehen, haarscharf an die Klippen heran, aber ich hielt den Mund, denn ich wußte, er würde im letzten Augenblick das Boot herumwerfen. Der Meerkönig bewegte sich in dieser Wüstenei von Wasser so sicher wie jemand in seinem Zimmer. Er kannte hier jeden Fleck und brauchte nicht aufzusehen. Er hatte seine Punkte; sobald der und der Felsen in der Ferne zwischen dem und jenem Riff erschien, so hieß es beizudrehen. Er kannte auch die verborgenen Felsen und wenn er sagte, hier unten ist der men glas so war es sicher, daß einen Moment später die Woge den Felsen traf und das Meer weithin marmorierte. Er wußte noch mehr. Er wußte, wo in dieser und jener Stunde, bei dieser und jener Strömung die Fische sich aufhielten, wohin sie wanderten, sobald der Strom wechselte. Er wußte, welche Geschwindigkeit das Boot haben mußte, damit diese und jene Art Fische anbiß, er wußte, wann die Fische zu erwarten seien und wann sie verschwanden.

Oft mußte ich lachen, wenn ich ihn ansah. Da hockte das winzige Bündel, gleichmütig wie vor dem Kamin und rollte mechanisch hin und her, während ich mich festhalten mußte um nicht hinausgeschleudert zu werden. Er kaute, blies den Schnauzbart, und versah die Angel andächtig mit dem Köder. Es sah aus, als nähe er. Den alten Köder nahm er mit den Zähnen vom Haken und spie ihn ins Meer. Er empfing den schweren Fisch mit täppischem Lachen, den kleinen aber überhäufte er mit Schmähworten. Er fing einen winzigen Fisch, nicht größer als eine Hand, der den Köder vollständig abgefressen hatte; da wurde er purpurrot vor Zorn und schleuderte ihn so heftig ins Boot, daß das Fischlein das Maul aufriß und augenblicklich still und steif lag.

Zuweilen kauerte der Meerkönig im Boot nieder und nahm eine Konservenbüchse zur Hand. „Ent—schul—düge, mein Freund!“ heulte er. „Wür sünd auf tem Möhr!“

Eine unnötige Höflichkeit! In dieser Badewanne, die mit der gesamten Ausrüstung fünfundsechzig Franken kostete, konnte man keinen Komfort haben wie in einem Hotel.

Auf der Insel läutete es Mittag. Lockend und lieblich klang es zu uns heraus. Wir aßen ein Stück Brot und tranken aus der Wasserflasche, die Leine um den Finger gewickelt. Und wieder fischten wir. Wir versahen die Haken schweigsam mit dem Köder, rissen den Fisch ins Boot, fluchten halblaut, wenn sich die Leine verwirrte. Das Boot zitterte und schwang auf und ab. Oft hing der Meerkönig über mir, als wolle er herabstürzen auf mich, im nächsten Augenblick aber war seine Kappe tief unten und ich stand senkrecht gegen die Bank. Ich war naß bis auf die Haut, das Wasser war mir in den Nacken und die Ärmel gestürzt. Meine Haare waren zerweicht und die Augen klebten zusammen und brannten. Mein Gesicht war ausgetrocknet und heiß vom Salz, das sich wie feiner Flugsand in alle Poren fraß und die Haut steif und bewegungslos machte. Meine Hände zitterten vor Erschöpfung, und der Wind stach mich unaufhörlich wie eine eisige, spitze Nadel ins Ohr. Mein Herz aber rauschte und sauste und war voll ungestümer Wildheit wie das Meer um mich her.

Ja, ihr zu Hause, bleibt ruhig in euren Polstersesseln sitzen und lispelt kluge und feine Worte über das Leben und werdet schwindsüchtig. Laßt mir das Leben, das dumm und einfach ist, und ich will euch die Worte schenken.

Ein Segel mit einem Anker darauf zog hinter den schwingenden Linien der Wogen vorüber. Es stieg empor, pendelte, verschwand vollständig, um erst nach langer Zeit an entfernter Stelle wieder aufzutauchen. Im Nu war es verschwunden.

„Es ist Zeit!“ heulte Jean Louis. „Wir müssen gehen. Der Pilot fährt nach Hause!“

„Eine Angel wollen wir noch auslegen, Meerkönig“

Aber da kam eine große Woge und wir machten uns schleunigst davon.