Gegen drei Uhr nachts hatten wir Unglück. Die Spitze des Fockmastes mit unserer hübschen Laterne ging über Bord. Yann stieß einen der längsten und entsetzlichsten Flüche aus, den je eine menschliche Zunge zustande brachte. Gewiß hätte er sich in der Wut dem Mast nachgestürzt, wenn er nicht festgebunden gewesen wäre.

„Die Sache ist die,“ schrie mir Yann ins Ohr, und drehte den Bug einer Woge entgegen, die mit hocherhobenen weißen Tatzen schräg herankam und alle andern überholte, „die Anker hatten sich festgebissen, aber der Teufel weiß, ob die Ketten es noch lange aushalten werden. Dann gute Nacht, in fünf Minuten sind wir in den Klippen. Achtung! O, daß alle stinkenden Teufel der Hölle dich haariges Monstrum —! En arrière!“ Eine ungeheure Wassermasse schlug über Bord und der Dampfer sank so tief ein, daß es eine Ewigkeit dauerte, bis er sich wieder in die Höhe arbeiten konnte.

Dann und wann unternahm ich eine kleine Expedition nach dem Maschinenraum. Ich kletterte die Treppe hinab an Deck, wartete bis ich den nächsten Eisengriff fassen konnte ohne über Bord gefegt zu werden, und kroch im Lee des Kesselraums entlang. Wo der Wind eine Spalte fand, blies er so rasend, daß ich spürte, wie sich das Fleisch an meinen Knochen verschob und löste.

Haha, da waren sie, schwarz wie Mohren hantierten sie da drunten. Ich klopfte auf die verschraubte Luke, sie sahen herauf, grinsten und der Maschinist öffnete. Ich ließ mich die eiserne Leiter hinab. Wie warm es hier war!

„Ihr habt es gut hier, ihr Halunken!“

„Warum hast du uns nichts zu trinken mitgebracht?“

Ja, wie konnte ich es auch wagen ohne Kognak zu diesen Rußteufeln zu kommen, deren Kehlen lichterloh brannten?

„Sofort!“

Ich kroch wieder zur Luke hinaus, machte die Expedition zur Kajüte hin und zurück und da war ich wieder. Der Heizer ließ kochendes Wasser in einen Tiegel und mischte einen großen Humpen Grog zurecht. Es roch hier unten nach heißem Öl und Putzwolle. Die Schaufel scharrte und das Heizloch spie Gluten. Es gab hier glühende Kohlenstückchen, die es auf meine nackten Füße abgesehen hatten. Der Sturm toste in der Ferne; man fühlte sich hier wohl und geborgen wie in einem eleganten Salon, wenn es draußen hagelt. Der Wind tutete und pfiff durch das Sprachrohr und monoton rasselnd kamen Yanns Befehle heraus: en route, doucement, en arrière! Der Maschinist hatte die Hand am Hebel, die Maschine tickte, und wenn sich die Schraube über Wasser befand, wackelte sie von oben bis unten.

„Hau — hau — hau — en route!“ hustete Yann.