Da saß Yann mit Tränen in den Augen, während ich mich totlachte. Da mir nicht sofort eine Riesenlüge einfiel, mit der ich ihn niederwerfen hätte können, so fügte Yann eine Erzählung hinzu von chinesischen Seeräubern, die sie in den Molukken geköpft hatten. Zopf hoch, wupp! ins Meer, Zopf hoch, wupp! — Yann saß und köpfte, hahaha! Yann, wie tief bist du gesunken, neulich köpfte dein Onkel, der Korvettenkapitän, und heute köpfst du schon eigenhändig! Selbst der Dampfer lachte, er hüpfte auf und ab vor Vergnügen und auch der Wind schrie vor Lachen — haha!

„Ha,“ sagte ich, „da du gerade von Chinesen erzählst, ich fuhr einmal auf dem Japanischen Meer, und wir hatten zwei chinesische Boys, Hannes und Lehmann, das waren Burschen! Wir kamen in einen Taifun und die Boys gingen buchstäblich an der Decke, als sie die Speisen servierten. Ohne einen Tropfen zu verschütten. An der Decke!“

„Lügner!“ schrie Yann.

Ich lachte. Gerade das war wahr!

„Hehehe!“ lachte Yann wütend. Er war geschlagen, ich hatte ihm etwas Unglaubliches erzählt.

„Hahaha!“ lachte ich, außer mir vor Vergnügen.

Plötzlich schwang sich Yann eine Sprosse höher und auf dieser Sprosse pflegten ihn seine traurigen Erlebnisse einzuholen. Er erzählte mir abermals jene Geschichte von der „Charlotte“, die ihm vier Monate Gefängnis eintrug. „Alle Ungerechtigkeit der Welt hatte sich gegen ihn vereinigt um ihn zu vernichten!“

Die „Charlotte“ war ein Dampfer, der draußen vor Creach auf Grund geriet. Yann fuhr mit dem „Arbeiter“ hinaus um sich die „Charlotte“ anzusehen, die von ihrer Mannschaft verlassen worden war. Als seine Matrosen dieses hübsche Schiff sahen, wurden sie toll. Sie schlugen alles in Stücke und plünderten den Dampfer von oben bis unten aus. Selbst die Messingbeschläge schraubten sie ab. Yann protestierte, fluchte, umsonst. Yann hatte ein gutes Herz, ein zu gutes. Er erstattete keine Anzeige. Aber als er sechs Monate später einen renitenten Matrosen an Land schickte, denunzierte ihn dieser Schuft und gab an, Yann habe sämtliche Schiffsinstrumente gestohlen und eine silberne Teekanne mit Goldeinlage. Die Hunde von Matrosen schworen so viele Meineide als nötig waren Yann das Genick zu brechen. Entlassung und vier Monate Gefängnis!

Ha! Yann lachte höhnische Triller. „Ich! Ein Dieb? Ich??“ Er raufte sich die Haare und brach in Tränen aus. „Ein Dieb! Ich ein Dieb? Meine arme Mutter —!“ (Seine Mutter wurde plötzlich wieder lebendig.)

Hier streckte ich den Kopf aus meiner Muschel — es war mir nämlich seit einiger Zeit, als sause ich in einer spitzigen Zaubermuschel dahin — und sagte: „Du bist ja gänzlich betrunken, Yann!“