Yann mit den treuesten blauen Augen, Yann mit dem Kinderherzen — ein Dieb! O, wie lächerlich, wie absurd! Volldampf! Ich sauste nieder.
Yanns Gemüt aber war bis in die Tiefen aufgewühlt. „Diese Behauptung ist eine infame Verleumdung, unwürdig eines Gentleman!“ sagte er mit feuchtschimmernden Augen im reinsten Französisch, wie man es nur an der Sorbonne zu hören bekommt.
Yann fraß wohl lebendige Crevetten und Spinnen, aber vier Monate Gefängnis kitzelten ihn nicht wenig. Er lief von Pontius zu Pilatus und sogar der Minister geruhte ihm Audienz zu gewähren. Er sah in Yanns strahlende Kinderaugen — und Yann wurde zu einer Geldstrafe begnadigt. Nein, Yann war kein Dieb!
Er genoß die Rechtfertigung, pries die Gerechtigkeit des Ministers und schwor Rache. O, du meine Güte, wie er sich rächen wollte! Ich hörte kaum, was er sagte, denn ich flog in meiner Zaubermuschel über Kontinente und Meere dahin — ah, das war Kioto unter mir, wo sie gerade das Flußfest feierten, ein Gewimmel von Papierlampen, das Miauen der Tänzerinnen — weiter —
Plötzlich hörte ich, daß Yann von Rosseherre sprach. Da saß er und schwärmte. Ah, wie hübsch sie doch war, wenn die Bänder ihrer weißen Haube flatterten! Wenn sie lachte und ihre weißen Zähne blitzten! Eine kleine wilde Katze war sie! „Ich habe gearbeitet und geschuftet, meine Hände sind hart wie Holz, meine Finger haben sich verbogen. Nun will ich Ruhe haben, ein Heim, Kinderchen — o! Ein hübsches Häuschen. Wehe dem, der mir Rosseherre anrührt, hörst du?“
Ja, ich hörte, C’est la guerre, dachte ich, Yann. Heute raube ich dir deine Geliebte, morgen wirst du mir die meine rauben. Frauen wollen noch immer geraubt werden, es gelten keine Verträge, hörst du, Yann?
„Du hast Rosseherre Ringe geschenkt und ein Tuch. Warum hast du das getan? He, sage mir die Wahrheit, war sie bei dir?“
„Hahaha. Yann, Yann! Wie langweilig du bist!“ sagte ich und ich grüßte hinunter, denn ich passierte soeben im Stillen Ozean einen Dampfer — einen der schmalen weißen Siebentausendtonnendampfer der Toyo Kisen Kaisha mit einem Fächer in der Flagge — die Chinesen servierten Tee an Deck und die Damen winkten mir mit den Taschentüchern.
Yann stand auf. „Du bist mein Freund,“ sagte er, „ich gebe mein Leben für dich hin — aber wenn ich es herausbringe — hörst du mich?“ Er knirschte mit den Zähnen.
„Hahaha, Yann, schäme dich, so betrunken zu sein. Ho, wie du aussiehst — du hast einen Kopf wie ein Ballon — so groß — o, Yann, hahaha!“