„Nun,“ rief er mir zu, „habe ich es Ihnen nicht gesagt, als Sie Sturmvilla mieteten, alle Schiffbrüche vollziehen sich dicht vor Ihren Augen — haha!“
Ich gab ihm keine Antwort. Ich lief nach Sturmvilla zurück. Nichts war als Nebel, das Branden des Meeres und alle drei Minuten grollte Creach in der Ferne wie ein todwundes Tier.
Etwas scharrte zwischen den Klippen. Es war Jean Louis. „Ein Dampfer ging in die Klippen — hühü!“ sagte er und lachte idiotisch. „Rosseherre war wieder die erste —“
„Was kann man tun?“ fragte ich.
„Was man tun kann? Nichts. Hühü! Die Klippen sind wie Messer da draußen. Sie fahren alle an derselben Stelle auf. Sie werden vom Strom abgetrieben und hören Creach erst, wenn sie festsitzen.“ Er trappelte hin und her und spähte auf den Boden. Eine Gruppe von Fischern, Frauen und Kindern sammelte sich an, und alle spähten sie auf die ankommende Welle mit vorgeneigten Köpfen und gierigen Augen. Sie waren die Abkömmlinge von Seeräubern und ihr Herz hatte das Meer gehärtet. Was war ein Schiffbruch für sie? Es hatte Nächte gegeben, da drei Schiffe scheiterten, und wiederum hatte man in drei Nächten nacheinander die Sturmglocken geläutet.
Etwas Dunkles trieb ans Land und alle stürzten sich gleichzeitig darauf. Es war das Wrack eines kleinen, schwarzen Bootes. Wie ein zertrümmerter Brustkorb. Dann wichen sie plötzlich alle zurück: mitten in der Welle stand ein Mensch, der von Wasser troff und die Arme nach ihnen ausstreckte. Er fiel vornüber und die Woge trug ihn ans Land und legte ihn schweigend nieder. Die nächste Welle fuhr über ihn hin und er bewegte sich, als ob er sich aufsetzen wolle. Dann zogen Jean Louis und ich ihn weiter aufs Land.
Er lag mit offenen Augen da, als ob er sehr erschrocken wäre, und lächelte mit geöffneten Lippen, daß man die Zähne unter seinem kleinen dünnen Schnurrbart sah. An der rechten Schläfe hatte er eine schwarze Schramme. Er war tot.
Die Fischer standen um ihn im Kreise. Jean Louis nahm die Mütze ab und schlug das Kreuz. Alle folgten seinem Beispiel. Creach knurrte in der Ferne, während sie das Gebet murmelten.
„Hier liegt er jetzt!“
„Es ist rasch gegangen mit ihm. Das Meer warf ihn gegen einen Felsen.“