Hinter der Türe, dem schmalen Bett gegenüber, klapperte eine Schreibmaschine. Er arbeitete dort, der Student Ackermann, zurzeit Soldat. Er schrieb für Zeitungen, um Geld zu verdienen — er schrieb auch noch ganz andere Dinge — Herr Herbst wußte Bescheid, oh, oh! Er wußte mehr, als jener ahnen konnte.
Hinter der Wand, an der das Bett stand, auf dem er lag, strich ein Schritt vorüber, immer auf und ab, wie ein Tier, das rastlos in seinem Käfig hin und her geht. Das war Hähnlein, der Tapezierer, zurzeit Soldat. Er wohnte in dem Zimmer nebenan mit seiner kranken Frau und seinen beiden Kindern. Vor kurzem hatte sie wieder geboren, aber das Kind war bald nach der Geburt gestorben. Es wog nur viereinhalb Pfund. Und welches Geschrei hatte es gegeben, trotzdem sie nichts zu nagen und zu beißen hatten! Hähnlein und Ackermann waren früher beim gleichen Regiment, und Hähnlein hatte Ackermann hierher in dieses Haus gebracht. Das alles hatte Herr Herbst Gesprächen entnommen.
„Schlafe doch!“ zischelte Frau Hähnlein. Die Bettstatt krachte, und sie hüstelte.
„Schlafen? Schlafen? Ich kann nicht schlafen“, entgegnete die heisere Stimme Hähnleins, und wieder schabte sein Schritt hinter der Wand.
Die Wand war dünn wie Papier, nun, eine Mietskaserne, er vernahm jeden Laut.
Die Frau wimmerte.
„Weine nicht, vielleicht kommt es bald, wie Ackermann sagt“, tröstete sie Hähnlein. Und deklamierend fügte er hinzu: „Die Völker der Erde werden sich erheben gegen ihre Peiniger!“
Oft ging Hähnleins Schritt die ganze Nacht hin und her, bis der Tag graute. Herr Herbst hatte sich längst daran gewöhnt. In unruhigen Nächten beruhigte ihn dieser ruhelose Schritt sogar. Ein Mensch, ein Leidender, wie er, dicht nebenan.
Es wurde still hinter der Wand, und nur die Schreibmaschine Ackermanns klapperte eifrig. Es konnte noch nicht spät sein, denn im Haus summten Stimmen. Türen wurden zugeschlagen, und zuweilen krachte die Haustüre ins Schloß, daß das ganze Haus zitterte.
Die lange furchtbare Nacht lag vor ihm.