„Es ist immer herrlich, wenn Ruth da ist.“ Und der Jemand hüllte Ruth in seinen Mantel.

11

Noch immer saß der kleine Herr Herbst inmitten der unendlichen Dunkelheit und flüsterte zärtlich den Namen seines Sohnes. Sein kleines, hohlwangiges Gesicht war in Tränen gebadet.

Da — nun wurde es lichter an der Türe — nun kam er! Der Teuerste, Heißgeliebte kehrte aus dem Reiche der Schatten, wie die Menschen es nennen, zu seinem Vater zurück, wie in jeder stillen, dunkeln Nacht.

Ein fahler Schein ging von der Türe aus — und er erschauerte. Ja, ja, er war es, der Geliebte, Beste. Deutlich sah er ihn im fahlen Schein stehen: genau so sah er aus wie zu Hause auf dem Bilde. Ein Soldat im Helm, ein Jäger, jung, ein blutjunges Bürschchen, in der Rechten den Gewehrlauf, der mit Blumen geschmückt war, ganz wie an jenem furchtbaren Tage, da er ihn zum Bahnhof begleitete.

Eisige Kälte brachte er mit aus dem Reiche der Schatten. Der alte Mann zittert. Die Kälte kroch über ihn, und er fühlte, wie sein kahler Schädel einschrumpfte. Die Angst schnürte ihm die Brust zusammen, und doch war es süß — erlösend.

„Bist du es?“ flüsterte er voller Verzückung.

„Mein Sohn, mein Liebling!“ Und er streckte seine eisigen, kleinen blauen Hände gegen die Türe aus.

„Bist du wieder hier?“ Niemals sprach die Erscheinung, und er wartete auch nicht auf Antwort. Sie stand, regungslos, und blickte unverwandt auf ihn. Manchmal sah er deutlich die Augen, nicht immer. Seines Sohnes Augen, deren Glanz und Färbung er nie vergaß — glänzend und kristallen wie die Augen eines unschuldigen Tieres — während die Züge des Gesichts zuweilen schon seinem Gedächtnis entglitten.

„Bist du zurückgekehrt zu Papa —?“