Aber, Entsetzen! Wieder begann der Teure zu bluten —
Von der Stirn floß plötzlich dunkles Gerinnsel, gewiß, dort hatte ihn das tödliche Geschoß getroffen. Das Blut floß, es strömte, es färbte die Uniform dunkel, lautlos strömte es auf den Boden, ohne Ende. Und der Teure stand, regungslos blutete er, ohne jeden Laut . . .
„Wie schrecklich du heute wieder blutest, mein Einziger!“ flüsterte der kleine alte Mann — oh, so leise! — und rang die Hände. Die Tränen stürzten über seine Wangen. „Immer noch findest du nicht Ruhe, du Teuerster? Warte, gedulde dich — ich habe schon an ihn geschrieben, er wird antworten — gewiß . . . Alles werde ich versuchen, nichts werde ich unversucht lassen — ich gelobe es — mein Liebling —“
Und er flüsterte, versprach, rang die Hände, verhüllte das tränennasse Gesicht —
Da wurde es licht, der Schein einer Kerze, und augenblicklich zerfloß die Erscheinung. Nichts blieb als die hellgestrichene Füllung einer Türe mit einem schwarzen Schloß.
Nicht eine Kerze, der Mond war über die Dächer gekommen. Ein Lichtkeil spaltete plötzlich die Dunkelheit des Zimmers. Erschrocken zog Herr Herbst die Hände aus dem Lichtstrahl zurück, als würden sie verbrannt.
Die Dunkelheit war zertrümmert, und nun kamen auch die Geräusche zurück. Stimmen murmelten, es hustete, alle Arten von Husten, vom pfeifenden Frauenhüsteln bis zum brüllenden Husten erkälteter Männer. Schlaflos war das ganze Haus, es brauchte nur der Mond über die Dächer zu kommen, aus Glas schien es zu sein. Die Lider standen im Schlummer geöffnet, wie bei den Toten, und die Strahlen des Mondes stachen wie Nadeln in die bloßgelegten Hirne.
Nebenan wimmerte ein Kind, eine Bettstelle knarrte.
„Bist du denn wieder aufgestanden?“ zischelte es hinter der Wand.
„Ja, ja“, entgegnete Hähnleins heisere Stimme. „Ich sehe mir den Mond an.“