„Wie soll ein Mensch das ertragen?“
„Beruhige dich, Mutter — bald, ja bald —!“
Ermattet saß Herr Herbst, bebend vor Erschöpfung. Das Gespräch mit dem Sohn hatte ihn völlig entkräftet. Der Teure sog alle Kraft aus ihm. Das Herz zuckte in seiner Brust. Er wischte sich den Schweiß von der Stirne.
Ach, wie entsetzlich er doch wieder geblutet hatte — er litt — rasch mußte er handeln, rasch!
Er versank in tiefes Nachdenken. Langsam, wie betäubt bewegten sich die Gedanken in seinem kahlen Kopf, schlafschwer krochen sie dahin wie Schatten auf den Dächern. Das Geflüster und Gezischel hinter der Wand störte ihn nicht. Hähnleins alte Litanei — die Litanei des Elends und des Hungers. Nein, das Elend fremder Menschen machte keinen Eindruck mehr auf ihn. Worte, Nichtigkeiten! Weshalb sollten nicht andere ebenfalls unglücklich sein, alle. Neulich hatte er mit angesehen, wie ein vornehmer Herr von einem Militärlastauto überfahren wurde — gerade über das rechte Bein war das schwere Doppelrad gegangen. Er war in verzweifelter Stimmung, sofort aber besserte sich seine Laune! Die Unglücklichen weiden sich am Unglück, die Kranken an der Krankheit, die Armen an der Armut — nur die Glücklichen, das ist etwas ganz anderes, sie weiden sich nicht am Glück. Sie sehen andere Menschen nicht mehr.
Langsam — aber schließlich fand er sich doch zurecht in all den Dunkelheiten.
Nein, keine Antwort. Hunderte warten!
„Der General antwortet nicht!“
„Nein, nein!“
Erregt setzte er sich auf.