„Ich hatte in der Tat nicht vermutet, Gräfin, Sie heute zu sehen!“ wandte sich der General mit allen Zeichen der freudigen Überraschung, die bei jeder Anrede neu auflebte, an sie. „Sie waren lange weg. Wie gefällt es Ihnen wieder in Deutschland?“
Gräfin Heller lächelte und schob Butzi ein Stückchen Torte zwischen die scharfen, schneeweißen Zähnchen. „Ich finde es ent—setz—lich!“
„Ah, ah!“
„Ein Friedhof!“
Der General lächelte nachsichtig. Bei einer Dame des hohen Adels, des höchsten Adels, der Schwester einer solch hochgestellten Persönlichkeit, mußte man wohl einige Wunderlichkeiten in Kauf nehmen — noch dazu bei einer Dame, die mit dem Geist Friedrichs des Großen in okkulter Verbindung stand.
In diesem Augenblick überbrachte Petersen ein Telegramm. Dora errötete, als sie es öffnete. Es enthielt nur wenige Worte, wie man sehen konnte.
Der General ahnte: es kommt aus dem Felde!
Die Unterhaltung geriet ins Stocken.
3
In der Tat, das Telegramm — das Dora lässig zusammenfaltete und in eine kleine japanische Lackschale legte — kam aus dem Felde. Hauptmann Dönhoff hatte es heute morgen abgeschickt, und eben jetzt dachte er, ob das Telegramm wohl schon angekommen sei. Beinahe nämlich hätte er Doras Geburtstag vergessen. Erst in der Nacht, als er durch einen dumpfkrachenden Einschlag geweckt wurde, war es ihm eingefallen und er hatte sich sofort eine Notiz gemacht. Sein Gedächtnis war im Laufe der Kriegsjahre völlig geschwunden.