Was hätte er gegeben, alles, alles, wenn er nur wieder auf der Straße wäre.
Der General schnitt behutsam die Spitze einer Zigarre mit dem Federmesser ab.
„Ich bitte —?“ sagte er leichthin, während er die Zigarre zwischen den Fingern rollte. „Was wünschen Sie?“ Er hatte das Gleichgewicht völlig wiedergefunden.
Sein Blick glitt flüchtig über das zitternde Häufchen Hilflosigkeit in dem abgetragenen schwarzen Rock. Ohne sich dessen bewußt zu werden, genoß er die Angst, die er seinem Besuche einflößte, denn kein Mensch, er sei denn von seltener Güte, kann einen andern zittern sehen, ohne sich augenblicklich erhoben zu fühlen. Oben und Unten, Herren und Knechte, nie hatte der General eine andere Gesellschaftsordnung auch nur in Gedanken erwogen. Es waren Gesetze, von Gott gegeben, die man hinnahm, ohne darüber weiter nachzudenken. Bis zum jüngsten Tage wird es Oben und Unten, Herren und Knechte geben. Andere als dieser hatten vor ihm gezittert — Soldaten und Offiziere — und sie hatten gezittert wenige Minuten, bevor sie in den Tod gingen.
Herr Herbst bewegte die Lippen — aber in diesem Augenblick zwitscherte ein Vogel irgendwo, und erschrocken wartete er.
Wieder bewegte er die Lippen. Er mußte sprechen, Worte, irgendein Wort, es war höchste Zeit. Wie lange noch sollte dieser andere — dieser hier — schon sank die Sonne, dämmerte es im Zimmer — nur dieses breite starre Gesicht leuchtete noch.
Und plötzlich flüsterte er. Aber er erschrak bis ins Mark über die Worte, die von seinen Lippen kamen — keineswegs die Worte, die er sich zurecht legte und einübte, in den Nächten, auf der Straße, wenn er so dahinging.
Seine Lippen flüsterten, kaum vernehmbar:
„Geben Sie mir meinen Sohn wieder!“
Und schon hob er erschrocken die Hand, um die Worte zurückzuhalten.