Plötzlich aber knallte es — ganz wie heute vormittag im Foyer, als er mit dem Portier sprach — der Zylinder war auf den Boden gefallen.
„Bitte gehorsamst —“ stammelte Herr Herbst erschrocken und hob den Zylinder auf. Schwindel ergriff ihn, als er sich wieder setzte und die Tränen abwischte. Das Zimmer drehte sich im Kreise, eine Faust preßte seinen Magen zusammen. Ah, wenn es ihm nun übel würde! Das wäre eine Sache! Er hatte ja die ganze Nacht hindurch getrunken, und plötzlich fühlte er die Betrunkenheit. Beschütze mich Gott! Mit Spitzbuben hatte er getrunken, richtigen Spitzbuben, die Werkzeuge in einem Brotbeutel bei sich führten — in einer Kneipe, im Hof, die die ganze Nacht offen war. Wenn der General nun bemerkte —
Aber der General war zum Schreibtisch gegangen und hatte ein Schubfach aufgezogen. Er drehte das Licht an.
„Verstehen Sie Karten zu lesen — Herr —?“
„Herbst.“
„Herr Herbst? Nun, ich hätte Ihnen sonst erklären können, was ich beabsichtigte. Wir haben am 4., 5. und 6. August gekämpft und die Höhe leider räumen müssen, weil man uns die Reserven versagte . . .“ Versöhnlich klang plötzlich die Stimme des Generals. Auch er hatte ja einen Sohn im Kriege verloren. Auch er war ein Vater, der trauerte. Der Krieg hatte alle gesellschaftlichen Bande gelockert. Über manches mußte man in dieser Zeit hinwegsehen. „Hier ist die Höhe,“ fügte er hinzu, „wo Ihr Sohn für die Größe und Ehre des Vaterlandes . . .“
Taumelnd erhob sich Herr Herbst. Ja, der Rausch kam, ohne Zweifel.
„Sie sind nicht von hier?“
„Aus der Provinz, Euer Exzellenz!“
„Beruf?“