„Früher Lehrer an einem Gymnasium.“
„Bitte, treten Sie ruhig näher.“
Auf der großen und ausgezeichnet scharfen Photographie sah Herr Herbst zunächst nichts. Ein Meer, wie, was war das? Wellen, Wogen. Ein Ozean in Aufruhr! Dann aber unterschied er Baumstrunke, die kreuz und quer aus diesen furchterweckenden Wogenbergen hervorstanden, und einen schmalen Erdgang der mitten in die Wogenberge aus erstarrtem Schmutz hineinführte — es war die Kuppe der Höhe selbst, von den Minen zerrissen.
Nicht ohne eine gewisse Eitelkeit pflegte der General diese erschreckend realistische Aufnahme Besuchern zu zeigen.
„Das also ist Quatre vents!“ sagte er.
Herr Herbst atmete schwer.
7
Die Geschichte wird entscheiden, dachte der General, wie immer, wenn er die Kämpfe um Quatre vents in seinem Geiste vorüberziehen ließ. Aber er täuschte sich. Die Geschichte wird nicht entscheiden, sie hat etwas Besseres zu tun. Die Geschichte wird diese Höhe ganz einfach vergessen. Die Höhe von Quatre vents war strategisch gänzlich belanglos. Drei Kilometer rückwärts lag eine zweite, viel stärkere Höhe, durch einen Flußlauf vor der Unterminierung geschützt. Die Lage von Quatre vents war sogar ungünstig. Sie konnte jederzeit abgeschnürt werden, wie es später auch geschah, sie lag offen vor den feindlichen Geschützen, und ihre Zugänge wurden vom feindlichen Feuer bestrichen. Der General aber hielt Quatre vents für einen Angelpunkt der Westfront.
Sonderbarerweise aber, auch der französische General gegenüber, ein französischer Hecht-Babenberg, auch er hielt die Höhe für einen Angelpunkt der Westfront! Unaufhörlich schickte er seine Schwarzen vor. Tausende und Abertausende von dunkelhäutigen Kadavern verpesteten monatelang die Luft, bis die gütige Erde, die keinen Unterschied macht zwischen Schwarz und Weiß, sie in sich schluckte. Trotz ungeheurer Verluste sappte sich der Franzose eigensinnig heran, und endlich lag man sich an einzelnen Stellen kaum fünf Meter entfernt gegenüber. Ein Räuspern bedeutete den Tod. Nun erst begann der eigentliche Kampf um die Kuppe.
Man unterminierte gegenseitig die Stellungen und sprengte die Gräben einfach in die Luft. Als der General eines Tages gerade badete, meldete man ihm, daß eine ganze Kompanie in die Luft geflogen sei. Furchtbarer Morgen! Zuweilen kämpfte man sogar mit Messern und Handgranaten in den finsteren Stollen unter der Erde.