Wieder gähnte Hauptmann Dönhoff. Seine Zähne waren gelb und schlecht gepflegt.

Hier in diesem verfluchten Wald wurde man, mit Respekt zu sagen, langsam zu einem Schwein. Über ein Jahr lag er mit seiner Batterie an der gleichen Stelle. Neulich sah es so aus, als ob sie nach der Champagne kommen sollten — aber es war wieder nichts daraus geworden. Auch die Champagne war kein Paradies, aber es gab wenigstens Licht dort — hier war es immer düster.

Tag und Nacht hallte dieser finstere Wald wider von einem unheimlichen Dröhnen und Rasseln, Lachen, Niesen und Husten. Tag und Nacht strichen winselnde und klagende Stahlvögel über ihn dahin, und das Rasseln der Maschinengewehre hämmerte hundertfach verstärkt in den Waldschluchten — bis plötzlich alle Lärme von einem einzigen großen Lärm sekundenlang übertönt wurden. Gestern ist die Eiche vor dem Unterstand zersplittert, heute stürzte eine hohe Tanne zu Boden. Die Splitter leuchten in der Finsternis. Der Regen rauscht, Ströme von Lehm fließen die schmalen Knüppelwege hinab, die die Soldaten durch das Dickicht geschlagen haben. Zuweilen trifft man auch ein menschenähnliches Wesen, bis an die Augen mit Lehm beschmiert. Zuweilen schleppen sich auch Trüppchen von Gespenstern, mit blutigen Binden an Köpfen und Armen, die Knüppelwege hinunter — nein, pfui, der Wald ist kein Platz für einen Gentleman!

Hauptmann Dönhoff denkt an Sonne — an eine Wüste, in der Sonne, flimmernd von Licht, zitternd, vibrierend vor Hitze. Es würde ihm direkt Vergnügen machen, einmal tüchtig in der Sonne zu schwitzen. Und plötzlich kommt ihm Dora in den Sinn. Das Telegramm mußte nun wohl da sein. Langsam kriechen die Gedanken.

„Kannten Sie nicht General v. Hecht-Babenberg, Kammerer?“

„Welchen Babenberg?“

„Nun, den, wissen Sie — man hat ihn nach Hause geschickt —“

„Nie gesehen. Weshalb fragen Sie?“

„Ich dachte gerade an ihn — nur so —“

Was will er? dachte Dönhoff und erinnerte sich an das, was man ihm berichtet hatte. Was beabsichtigt er? Dora? Erwachsene Kinder — man kann nie wissen. Dora drang darauf, daß er bald nach Berlin käme — es fehlte noch eine Unterschrift in der Urkunde — gut, an ihm sollte es nicht liegen.