Der General hatte richtig geraten. Herr Herbst hatte tatsächlich auf diese Frage gewartet — aber nicht um sie zu beantworten!
Der Ausdruck in seinen Augen, dieser Schimmer von Spott steigerte sich zum Hohn. Er legte den Kopf auf die Schulter, lächelte . . . höhnisch, triumphierend, wieder wurden die gelben Zahnstumpen sichtbar. Er fing sogar an, leise zu lachen.
„Ich wüßte nicht, Exzellenz . . .“
„Guten Abend!“ sagte der General kurz. Und mit einer spöttischen Verbeugung verabschiedete sich Herr Herbst.
Kaum hatte er das Haus verlassen, so fegte ein Donnerwetter durch die Diele.
8
Wie ein blutiges Nordlicht flammte die sinkende Sonne zwischen finsteren Wolken. Durch die Torbogen des Brandenburger Tors schleuderte sie rote Glutkegel, die die Linden überfunkelten. Häuser und Menschen brannten düster, und düster brannte das Schloß am Ende der Linden. In den Schaufenstern der Luxusgeschäfte flammten die Brillanten, Perlen, Diademe, Orchideen, goldenen Schalen und Prunkgefäße.
In seinem weiten abgenutzten Soldatenmantel strich Ackermann, der Student, die Linden entlang, dicht an den Läden vorüber mit den Orchideen, Perlen und Prunkgefäßen. Er sah sie nicht.
Dies ist die Stunde, dachte er — ja, dies ist die Stunde, da die Sterbenden noch einmal die Augen aufschlagen, um den hohen Himmel zu grüßen. Erinnerst du dich — dieser Blick aus schlafschweren Augen? Dies ist die Stunde, da die Verwundeten gierig das scheidende Licht mit ihren fiebernden Augen trinken, denn einen Augenblick später kommt schon die Nacht mit ihren Ungewißheiten, dem Gewimmer, Stöhnen und Miauen im Krankensaal.