Otto schlug den Kragen des Mantels hoch und fluchte.
„Furchtbar, entsetzlich!“
„Wie beliebt?“
„Einfach entsetzlich!“
„Sie meinen, Otto?“
„Dieses Geschwätz! Diese Teegesellschaft! — Ich gehe übrigens links, Heinz. Ich muß zum Kaiserhof.“ Otto machte erneut den Versuch, Heinz abzuschütteln, weil er allein sein wollte. Was ahnte dieser Knabe —?
Aber Heinz verstand ihn nicht. „Es ist einerlei, wo ich einsteige. Das heißt natürlich, wenn ich lästig bin?“
Heinz hatte Mühe mitzukommen, denn Otto machte rasende Fahrt. Mit Genuß atmete er die feuchte Luft ein, die aus dem Tiergarten in alle Straßen dieses Viertels strömte. Welcher Qualm bei Frau v. Dönhoff! Dora rauchte englische, etwas parfümierte Zigaretten, sie bekam sie jetzt noch — woher, das war rätselhaft, aber sie bekam sie jedenfalls. Auch Heinz war glücklich, Doras Salon entronnen zu sein. Die Nähe des Generals hatte ihn bedrückt. Er hatte auch nicht den Mund aufgetan und war sich albern, kindisch und ungeheuer dumm vorgekommen. Die Ordenssterne des Generals und besonders der gestickte Kragen (war ein Komet darauf gestickt oder was sonst für eine sonderbare Sache?) hatten seine Phantasie verwirrt. Glücklicherweise, ja, es war in der Tat ein Glück, hatte ihn der General gar nicht beachtet. Nur bei der Begrüßung hatte er ihm flüchtig die Hand gereicht und ihn mit jenem raschen Blick gestreift, mit dem hohe Offiziere Untergebene in Gesellschaft begrüßen: kameradschaftlich, verstehst du, aber welche Distanz! Übrigens, diese Hand des Generals, sie war stählern und — eisig kalt. Nie würde er diesen Händedruck vergessen. Schon aber kehrte seine alte Sorge zurück.
„Glaubt Ihr Herr Vater wirklich, daß wir im Sommer in Paris sein werden?“ wandte er sich hastig an Otto.
Otto fuhr aus seinen Gedanken auf. Er war so zerstreut, daß er einen Augenblick stehenblieb. Dampfsäulen fuhren aus seinem Mund, so schnell atmete er, es war kalt geworden. Er blickte Heinz in die Augen, verstand erst jetzt und lachte plötzlich.