„Natürlich glaubt er es. Er glaubt es schon seit über drei Jahren. Schon im August 1914 hat er mir Lehren mitgegeben, wie ich mich in Paris zu benehmen hätte. Er war übrigens nie in seinem Leben in Paris!“
„Also, er glaubt es?“ sagte Heinz nachdenklich.
„Ja, ja, und er wird es glauben und wenn die Franzosen in Hannover stünden. Er würde es auch dann noch glauben. Er ist so.“
„Aber glauben auch Sie es?“
Wieder lachte Otto kurz auf. „Ich?“ sagte er, knurrte er. „Ich bin doch kein Narr!“ Nein, er, Otto glaubte nicht mehr an den Sieg der deutschen Waffen, wie viele Frontoffiziere.
Kein Narr?
„Aber Ihr Herr Vater, Otto, der General —?“
Otto lachte nun laut und belustigt. „Die Generale haben ihre eigene Meinung, lieber Heinz! Sie können das ja noch nicht verstehen, es ist ein Kapitel für sich. Ich habe einmal bei Langemarck dreißig Prozent meiner Leute liegenlassen, und mein General sagte: Na, das ging ja noch gelinde ab. Wörtlich! Mein alter Herr, übrigens — er will das Reich Karls des Großen wieder errichten.“
„Sie glauben also nicht daran?“ Heinz atmete erleichtert auf. „Es wäre ja auch zu fatal,“ fügte er hinzu, „jetzt, da ich eben Feldpilot geworden bin.“,
Fast vier Jahre Krieg und immer noch dieselbe Geschichte, dachte Otto. Da er aber schwieg, versuchte Heinz, ihm seinen Seelenzustand deutlicher zu machen.