Voller Verachtung drehte Klara sich gegen die Wand.
„Nun,“ sagte Hedi triumphierend, „dieser Herr Ströbel ist nicht nur reich, sondern auch ein Gentleman. Und er ist verliebt in mich! Dich aber würde er wahrscheinlich gar nicht ansehen, kleine Braut.“ Dies fügte Hedi ein, um Klara zu reizen.
Aber Klara schwieg.
„Ah, seht an, sie spielt die Hochmütige!“ fuhr Hedi fort. „Nun, mein Liebling, es ist mir höchst einerlei, was du denkst. Du bist ja noch ein Kind, und was solltest du vom Leben wissen? Auch was Papa denkt, ja, siehst du, auch das ist mir höchst einerlei. Ich habe dir ja schon oft gesagt, daß ich dieses Leben hier satt habe, diese ewige Langeweile, und eure Rüben und Kartoffeln. Und dazu die ewige Kontrolle! Nein, mein Herz, nun mache ich Schluß. Hörst du mich, kleine Braut? Ja, natürlich hörst du mich, du tust ja nur so . . . ich werde euch verlassen . . .“
„Ja, verlassen, man hat mir eine Sekretärsstelle angeboten, tausend Mark im Monat, bei völliger Bewegungsfreiheit — ein kleines Bureau werde ich haben, und einen kleinen Empfangssalon — du staunst, wie? — und bei Ströbel selbst. Ich werde mir nun mein Leben so einrichten, wie es mir gefällt. Ich bin jung, ja Gott sei Dank, noch bin ich jung. Und du darfst mich besuchen, kleine Braut, und vielleicht schenke ich dir ein Paar seidene Strümpfe —“
Ganz plötzlich schlief Hedi ein.
Aber ihr Schlaf war unruhig, und immerfort lief ein Zittern über ihren Körper. Klara beobachtete sie.
Was war geschehen?
Labyrinthisch und voller Dunkelheiten erschien Klara plötzlich das Leben. — —
Dora aber freute sich immer noch über das Gedicht, während sie das warme Bad genoß. Ihre Augen, ihre Zähne, Grübchen, ihre Schultern und Brüste, die ganze Dora strahlte vor Entzücken. Es war so leicht, ihr eine Freude zu machen. Sie wartete nur darauf.