Behutsam legte sie das Gedicht zur Seite, um es aufzubewahren, in dem Schubfach, das angefüllt war mit ähnlichen Huldigungen.
Ein Billett von Otto. Sie strich das volle Haar in den Nacken, las — nur zwei Zeilen — und zerriß es, in winzige Stückchen, die sie in die Aschenschale warf. Eine feine Röte flog über ihre Wangen.
Dann trank sie ein Täßchen Kakao.
Und dann griff sie nach dem Briefe des Generals. Seine Schrift begann zu zittern. Es war nicht mehr die frühere, starke Hand. Er begann langsam, ganz langsam zu altern, ja . . . Was sollte er ihr zu sagen haben? Nichts, gar nichts.
Plötzlich aber saß Dora ganz still.
Ihre glänzenden, roten Lippen standen offen, die Hand zitterte — ihr schwindelte.
Heute nacht . . .
Heute nacht also . . .
Heute nacht, während sie tanzte, während sie scherzte, während sie lachte. Vielleicht gerade in jenem Augenblick . . .
Heute nacht — die Tänzerin, die Neger, die Vermummten — alles wirbelte vor ihren Augen.