Nein, nein, nicht ein Greis sprach —

Deutlich sah Ackermann, daß dieser Greis eine Leiche war, die redete! Die Tribünen standen voller Leichen in den Uniformen von Generalen und Admiralen, mit Orden und Tand behängt, die Abgeordneten waren Leichen, die still dasaßen, die Stenographen, der greise Präsident, der den Kopf in die Hand stützte.

Leichen, ein Parlament von Leichen.

Und die Sonne umspielte sie. Die lebendige Stimme Gottes rief und donnerte, aber sie hörten sie nicht.

Da aber begannen die Leichen zu erbeben wie Schilf im Wind. Ein Sturmwind brauste durch das Haus. Die Leichen sanken zusammen, vermodert sanken Uniformen und glitzernde Ordenssterne dahin.

Gesang . . .

In der Ferne ertönte ein Schritt, der dröhnende Schritt von Hunderttausenden, Millionen — Gesang fliegt vor ihnen her. Und dieser Gesang ist der Sturmwind —

Da berührte jemand seinen Arm, eine knöcherne harte Hand, und eine trockene Stimme sagte: „Sie dürfen sich nicht so über die Brüstung legen.“ Ackermann befand sich wieder auf der kleinen Tribüne, wo zusammengedrängt das Volk sitzt, das keine reservierten Plätze vorfindet. Er war nahe daran gewesen, eine seiner Ohnmachten zu bekommen. Im selben Augenblick wurde applaudiert. Die Ordenssterne und Uniformen rauschten durcheinander. Der freundliche Greis setzte sich und träumte wieder von seinem Sarg, aus dem man ihn aufgescheucht hatte.

Die Abgeordneten betraten nacheinander die Rednertribüne. Worte und Gesten. Schon ist die Zeremonie zu Ende. Die Tribünen beginnen sich zu leeren.

Aber halt! Hier ist noch einer, der etwas zu sagen hat. Er hat die furchtbare Frage des Schicksals vernommen, das Antwort fordert. Er will zur Tribüne stürmen. Aber die Fettnacken und wehenden Bärte halten ihn zurück, die Rechtsanwälte und selbst die vom Hunger Ausgemergelten. Selbst sie! Die Journalisten auf ihrer Tribüne schütten sich vor Lachen.