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Ackermanns Blick fieberte durch die wimmelnden Uniformen und abrollenden Wagen. Verzweiflung schüttelte ihn.
„Dieses Parlament, welche Schmach! Der Fluch des Volkes wird die Schmachbedeckten treffen — einst, einst —!“
Er sah die hohen Offiziere nicht, nicht die Generale mit ihren roten Aufschlägen, nicht die Admirale mit den goldenen Tressen. Und niemand beachtete ihn in seinem abgeschabten weiten Mantel, von Entbehrungen und Qualen erschöpft — ein einfacher Soldat, einer von den Millionen, die niemand sieht.
Auf dem Straßendamm stand mitten im Qualm der Autos ein Berittener, regungslos wie eine Statue. Mit furchtbarem Ernst saß er im Sattel, quittengelb, mit spitzer Nase, eingefallenen Wangen und violetten Augenhöhlen. Eine berittene Leiche hielt vor dem Parlamentsgebäude Wache, im Sattel verhungert, aber sie tat ihre Pflicht.
Plötzlich drehten sich die starren Metallkugeln in den violetten Höhlen, die Haut des quittengelben Gesichts straffte sich, der rostrote Schnurrbart zuckte.
Er hatte Ackermann entdeckt, und eine argwöhnische, drohende Falte spaltete die armselige Stirn.
Das Gesicht dieses gemeinen Soldaten war das Gesicht eines Mannes, der geheime Gedanken hegte, Gedanken ganz besonderer Art, unzufriedene Gedanken. Er kannte diese Gesichter vom Kasernenhof her und hatte sie vernichtet, wo er sie fand, bis sie aussahen wie andere.
Schon drängte er sein Pferd näher, und sein Blick wurde messerscharf und unbarmherzig. Er war aus der kaiserlichen Schule, auf den Mann dressiert.
In diesem Augenblick aber ging Ackermann wie ein Schlafwandler mitten durch die Uniformen und Wagen hindurch, schnurgerade über den Fahrdamm — ohne angestoßen, berührt, überfahren zu werden, sonderbar.